Web 2.0 mal praktisch (14) – Wenn man schon einen Anwalt braucht, dann so

Es ist wenig wahrscheinlich das Anwälte oder Anwaltskanzleien sich zu Juristen 2.0 mausern, sie können das gar nicht. Offenheit, Kollaboration, Public Domain, offene Partnerschaften, Vertrauen etc ist nicht deren Ding. Anwälte sind Dienstleister, welche für eine Partei streiten und sich selbst dabei schadfrei halten. Sie können gar nicht dafür einstehen, die Macht der Gruppe, der Community zu überlassen, denn Anwälte streiten für das alleinige Recht, die alleinige Macht Ihres Klienten!

Nichts desto trotz hat es innovative und weniger innovative Teilnehmer in dieser Branche. Eine der innovativeren Firmen scheint die Eberhart Anwaltskanzlei aus Bern zu sein, die einerseits das Internet als Akquisitionskanal, andererseits aber auch Sachbearbeitungs/Prozesskanal verwendet. Kombiniert mit (relativ attraktiven) Fallpauschalen für Vertragsprüfung/Online-Beratung ist das schon recht innovativ! Ich werde den Dienst „beim nächsten Mal“ sicher in Anspruch nehmen. Glücklicherweise habe ich momentan kein Futter für die Juristerei und eigentlich wäre mir sehr daran gelegen, dass das so lange wie möglich auch so bleibt. Aber….

richtig innovativ sind wir hier in der Schweiz in Sachen Juristerei (noch) nicht. Dafür gibt es in einem anderen Land –Brasilien –  einen BusinessCase mit brutal viel Sexyness:

http://www.jbmlaw.com.br/mandalitijbm/en/index.php

Das ist eine Anwaltsfabrik, die bewältigen mit gegen 500 Anwälten mehr als 230‘000 Fälle pro Jahr! Was die gemacht haben: Die haben Rechtssprechung industrialisiert! Wie das? Einerseits haben die die „ganze Rechtssprechung“ Brasiliens (Gesetze, Urteile, etc) in eine Datenbank geladen. Darüber haben Sie eine dann eine „semantische Suchmaschine“ programmiert. Das erlaubt Ihnen, die Aufwände für einen juristischen Geschäftsvorfall oft unter eine Stunde zu drücken! Letzten Herbst hat einer der Väter hinter dieser Idee – Ricardo Semler – an einem Seminar erzählt, dass Sie inzwischen eine Standard-Replik in 15 Minuten abwickeln können (Die Gerichte geben auch in Brasilien mehrere Wochen Zeit für so etwas)!

Ohne diese „Juristen-Maschine“ könnten die das Volumen gar nicht packen. Rechne: 230‘000 Fälle pro Jahr / 500 Juristen = 460 Fälle pro Jurist! (Und das bei 180-200 Arbeitstagen). Dazu hockt die Firma nicht (nur) in Sao Paulo und Rio de Janeiro, sondern vorallem ausserhalb der grossen Ballungsgebiete, dort wo die Löhne und die Mieten tiefer sind. All dies erlaubt es, die Rechts-Dienstleistungen zu bisher unbekannt tiefen Kosten anzubieten. Weitere Details dazu gibt es hier: http://www.conjur.com.br/2011-abr-19/maior-escritorio-pais-537-advogados-faturamento-110-milhoes (Interessierte können die Page mit http://translate.google.com  übersetzen).

Dazu macht es den Anschein, dass die Firma gerade daran ist, dieses revolutionäre Geschäftsmodell in eine Web 2.0 Plattform zu verpacken und Sie will damit dann den amerikanischen Markt aufmischen! Details hier. Wir sind gespannt!