Ooops! 22. GFM Marketing-Trend-Tagung: The Future of Marketing, aber ohne Web 2.0!

Die diesjährige GFM Marketing-Trend-Tagung ging heute in Zürich über die Bühne. Die sehr gut orchestrierte, von der SRF Frau Christine Maier moderierte Konferenz empfing über 600 Teilnehmer, darunter viele CEOs, Chef-Marketeers und sonstige Führungskräfte aus D/CH.

Die erste Überraschung erfolgte bereits vor der Konferenz. Als der Geschäftsmann 2.0 nach dem Hashtag für den Anlass fragte, bekam er vom Geschäftsführer der GFM die Antwort “Wir haben keinen, wir sind Old School”. Wow. Heavy für einen Anlass mit dem Titel “The Future of Marketing”… Dieses Statement ist umso schwerwiegender, wenn der Key-Note Speaker  Anton Meyer von einem “fundamentalen Wandel beim Marketing” und von “weniger ‘to’ und mehr ‘with’ ” spricht! Nun, zum Inhalt:

Keynote-Speaker Anton Meyer spricht von einer neuen Marketing-Lehre. Seine Thesen:

  • These 1: Weniger “to” und mehr “with” (Co-Creation, Wert entsteht neu aus Nutzung)
  • These 2: Vernetzung der realen mit der digitalen Welt in Echtzeit
  • These 3: Marketing auf Augenhöhe (Die neue Basis -Aufgrund totaler Transparenz, ist Ehrlichkeit, Vertrauen und Verantwortung nötig).

GFM Markteting Trend Tagung 2012Gemäss Meyer, wird das unternehmensgetriebene Outbound Marketing massiv abnehmen, das kundengetriebene Inboud-Marketing dafür zunehmen und neu wird ein integratives und interaktives “With” (-Marketing) –> Dialog-Marketing? entstehen. Die meisten Unternehmen seien davon aber noch meilenweit weg, die meisten Firmen machen immer noch Old-School Marketing, sprich lediglich Inbound.Wer steuert die Kundenbeziehung, ist es neu eher ein Dialog auf Augenöhe? Und was ist eigentlich das Epizentrum der Kundenbeziehung fragt Meyer weiter? Seine Antwort:Es wird nicht mehr Print sein und auch das nicht, was heute unter TV verstanden wird. –> CoCreation ist das Thema (10% der Verbraucher sind aktiv in der Community, 2% sind echte “Aktivisten”) so Meyer. Die zweite These ist die “totale Vernetzung” 24*7 über alle Touchpoints. Das Internet ist das erste Massenmedium, bei dem das Produktionsmittel gleichzeitig das Distributionsmittel und das Konsummittel ist.  Je mehr Touchpoints/Kanäle bestehen, umso stärker ist der Kontollverlust der Anbieter. Das Internet führt zur Waffengleichheit von Anbietern und Nachfragern. Man wird als Anbieter komplett transparent und muss deswegen authentisch sein und dies  erzwingt das Marketing auf Augenhöhe. Wenn man auf gleicher Augenhöhe kommuniziert, dann geht es auch um Glaubwürdigkeit, dabei hat “Jemand wie Du und ich” inzwischen mehr Glaubwürdigkeit als der CEO der Firma, sagte Meyer.

Do you speak digital ? Der zweite Sprecher war Lars Rottschäfer, Brandmanager von AXE. Die Marke gibt es bereits seit 28 Jahren, der Zielkunde ist seit jeher der 16-18 Junge. Diesen erreicht man heute nicht mehr nur mit TV. Die AXE Marken-Kommunikation zielt ganz profan auf “Junge will Mädchen”. Man pusht eher Unterhaltung anstelle Information. Digitaler Content ist sehr wichtig (nicht TV). Beispiel dieses 3-Min TV Video, oder Youtube Adaption des Engel-TV Spots –> Aufgepimpte AXE Spots, viel länger als normale TV-Spots. Ein weiterer Versuch, der aber nicht richtig funktioniert hat, war die AXE “Mach Wach Show” zu einer bestimmten Zeit auf einem Sender. Warum hat es nicht funktioniert? Die Jungen folgen den linearen Medien nicht mehr: “Linear ist tot”. Facebook ist der Kanal (der Zukunft), so Rottschäfer. Eine weitere interessante Kampagne war “Axe Hot Jobs“. Auch der “Digitale Adventskalender” lief gut.   Die Message von Rottschäfer war klar, dass die digitale Welt “der Platz” sei und dass man nicht aufhören soll, herumzuprobieren. Man sei “Always Beta” und “spiele laufend” herum.

Zukunft Marketing – Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut ging auf die Megatrendmap ein. Insbesondere die Stränge “Individualisierung“, “Neu-Ökologie” und “Connectivity” hob er hervor (Hier gibt’s das PDF zum Thema). Indidualität triggert “Responsivität” und ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die Responsivität, sprich das Feedback wird durch die Connectivity, die Vernetzung gehebelt. Ein schönes Beispiel ist die “Diesel Cam”, einer Kampagne aus Spanien. der Bekleidungsmarke Diesel. Die heutige Connectivity führt ebenfallss eine Explosion von Individualitätsäusserung der Menschen. Diese Individualitätsäusserung generiert enorme Daten, welche für Marketeers sehr interessant sind (Anm. vom Gmann20.: BigData). Direkt kann man diese Individualitätsäusserung hier verfolgen  http://timeu.se/  – Das ist Menscheitsbeobachtung in Echtzeit! Am Ende führe das zu einer Partizipations-Ökonomie so Steinle:  “Shared Value statt Shareholder Value” – Markige Worte…..

#gfm2012Ein weiterer Speaker war Amir Suissa, der CEO von DeinDeal, wahrscheinlich dem am stärksten wachsenden Start-Up Unternehmen in der Schweiz. DeinDeal beschäftigt im Jahr Drei seiner Existenz bereits weit über 100 Angestellte. Die Firma ist übrigens einer der Kunden des Geschäftsmannes 2.0 🙂 . Suissa betont, dass die Kunden der Firma nicht Schnäppchenjäger sind, sondern eher kaufkräftige Personen mit hohem Einkommen und mit einem Frauenanteil von 60%. DeinDeal setzt bei seinen Verkaufsbemühungen auf Performance Marketing, sowie sehr stark auch auf Dialog Marketing (Interaktion mit den Kunden und mit der Community).

Perfomance Marketing: DeinDeal gibt bei Google, Facebook und Affiliates Millionen von Franken Werbegelder aus. Dafür kriegt DeinDeal pro Woche 54 Mio Impressions auf Facebook, bei Google sind es 12 Millionen pro Woche (!). Weiter werden 6 Millionen Mails die Woche versendet. Interessant: 50% der Umsätze werden über die Emails generiert (Sprich ein Email-Newsletter Kunde klickt auf einen Link im besagten Email).

Dialog Marketing: DeinDeal setzt klar auf aktives Dialog-Marketing. Facebook ist da sehr wichtig, Twitter hingegen ist in der Schweiz unbedeutend. Bei Facebook erreicht DeinDeal einen Viertel (!) der Facebook Population in der Schweiz (700K Likers). Wichtig ist dabei, dass man nicht eine Kommunikation über Deals macht, sondern eine Kommunikation über Themen! So bleibt man nah am User. Des Weiteren agiert die Firma in den digitalen Kanälen mit der Direktive “Spiel / Spass / Spannung“, wie zB. mit Wettbewerben oder Kniffelspielen. Dieser Mechanismus ist dem regelmässigen Leser dieses Blogs nicht unbekannt, darüber hat der Geschäftsmann in älteren Posts ja bereits einige Beiträge gebracht.

2011 war DeinDeal auf Rang 10 der schnellstwachsenden Suchbegriffe in der Schweiz! (#1 war DSDS). Die Plattform hat 500K User, welche 1.2M unique Zugriffe auf die Web Site pro Woche generieren. Bis Dato sind 5000 Deals gelaufen (pro Woche werden aktuell 12000 – 20000 Gutscheine verkauft) und die Kunden konnten mit DeinDeal über 70 Millionen CHF sparen.

Wichtig sind für Suissa vorgelebte Werte in der Firma: Fair / Schlagkräftig  / Messbar:

  • Fair: DeinDeal will faire Deals anbieten mit hoher Qualität. Deswegen hat das Unternehmen eine grosse Qualitäts-“Abteilung”, um zu prüfen, dass die Angebote auch wirklich gute, hochstehende Deals sind.
  • Schlagkräftig: Der Markt in der Schweiz ist klein und das bedingt eine echte Agilität des Unternehmens auf dem Marktplatz Schweiz.
  • Messbar: DeinDeal misst alles und hat dafür ein Set von 60 KPIs aufgebaut. Diese KPIs wurden  letztes Jahr in einem sehr schlagkräftigen BI-System implementiert damit diese 60 Kennzahlen laufend gemessen werden können. Details dazu gibt es hier.

Neben den obgenannten Werten arbeitet DeinDeal zusätzlich noch nach folgenden Prämissen: Execution is Key / Focus or Fail / Listen to your Intuition. Diese Prämissen haben gemäss Suissa geholfen, dass DeinDeal mit 70% Marktanteil der absolut grösste Player im Schweizer Markt ist. Einen Knaller präsentierte Suissa noch am Schluss:  Der Deal am nächsten Dienstag (03.04.12) auf DeinDeal ist ein Maserati Grantourismo S für 131 000 anstelle
212 000 CHF!

Suissa machte eine kurze Umfrage in Plenum, wer im Saal denn DeinDeal kenne, ca. 80% hoben die Hand. Auf die Folgefrage, wer denn bereits schon einen Coupon auf der Plattfom erworben habe, hielten immer noch ca 1/3 die Hand hoch.

Finaler Eindruck des Geschäftsmannes 2.0 vom GFM-Trendtag zum Tranformationsstand 2012 der Schweizer Marketing-Gilde: Das Schweizer Marketing ist immer noch irgendwo beim Releasestand 1.x . Bis das neue Marketingverständnis sich im Lande verankert hat, wird das noch einige Zeit dauern und viel Arbeit brauchen! Die Referate stiessen aus meiner Sicht absolut in die richtige Richtung, auch wenn die Präsentationen nicht so visionär waren wie am Europaischen Trend-Tag 2012, der vor 2 Wochen am GDI in Rüschlikon stattfand.

Zu diesem Post erscheint noch ein Nachtrag und zwar vom Referat von Martin Lindstrom “Sleep with your customer”: Die Zusammenfassung folgt nächsten Montag 2.4.2012

6 Replies to “Ooops! 22. GFM Marketing-Trend-Tagung: The Future of Marketing, aber ohne Web 2.0!”

    1. ….well, eigentlich schon: Es könnte durchaus sein, dass sich die Marketeers sagen, dass die Suppe nicht so heiss gegessen wird wie sie gekocht wird und Sie weniger schnell vorwärts machen bei Ihrem 2.0er-Upgrade. Und das könnte fatal sein, wenn sich im Gegensatz die reale Welt schneller ändert als die Marketeers antizipieren….weisst Du was ich meine? Aber der Inhalt der Tagung, der war durchaus interessant!

  1. Hallo Palo
    Du bringst es in deiner Zusammenfassung des GfM Trend-Tages sehr schön auf den Punkt. Die Referenten waren mit wenigen Ausnahmen hochkarätig, ausserordentlich spannend und haben die Web 2.0 Logik verinnerlicht und auch vorgelebt. Was mich aber persönlich auch ein wenig schockiert hat, wie “einsnullig” der Veranstalter der Trend-Tagung, bei der es immerhin um “the future of marketing” ging, auftrat. Ich bin der Meinung bei einer solchen Veranstaltung reicht es nicht, das Thema nur auf der Bühne und in den Referaten vorzutragen, man muss es auch vorleben. Sonst ist der Veranstalter schlicht nicht glaubwürdig. Und so schwierig wäre es ja nicht…

    Was man aber auch feststellen muss, ist, dass die meisten Marketer im Saal, und es waren immerhin mehrere hundert Marketingleiter, zu einem grossen Teil ebenfalls noch nicht im Zeitalter des Digital Marketing angekommen sind. Da haben also viele noch einen weiten Weg vor sich. Aber das gute daran ist ja, wie es der AXE Vertreter auf den Punkt gebracht hat: Digitales Marketing ist ALWAYS BETA. Das heisst, es bleibt also auch in Zukunft noch Raum zum Ausprobieren, Testen, Fehler Machen, Lernen, etc.

    1. Reto,
      ich habe genau die gleiche Grundhaltung wie Du. Jedermann darf einsnullig sein. Und auch jemand der einsnullig ist, darf “the Future of Marketing” proklamieren. Ob er dann als kompetent rüberkommt, das ist dann eine andere Sache. Weisst Du diejenigen Leute, mit welchen mir das passiert ist, die sind noch nicht so alt. Die sind alle in den 40ern oder so. Die arbeiten alle noch 20 Jahre und werden vom Umbruch voll “erfasst” werden. Dazu finde ich, gerade Marketeers und Medienmenschen, wie z.B die dabei stehende Fernsehfrau, die nicht einmal wusste was ein Hashtag ist, sollten die Augen bereits geöffnet haben und den Tsunami suchen! Es trifft genau das von mir oefters beobachtete Schema, welches ich hier beschrieben habe:
      http://www.geschaeftsmann20.com/socialbusinessveraendertdiewelt/

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