The Age of Less – Themenabend zum letzten Buch des GDI-Leiters D. Bosshart

David BosshardBei all den Problemen, die im Buch  „Age of Less“ von David Bosshart  am Anfang geschildert werden dachte der Geschäftsmann 2.0: „Mein Gott, lass es bitte nicht ein zweites ‘Payback’ sein“. Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hatte im 2009 das Buch ‘Payback’ herausgebracht, in welchem er zu einem Rundumschlag gegen die Neuen Medien etc ausholte. Für den Geschäftsmann2.0 war Payback eines der schwächsten Bücher des letzten Jahrzehnts. Er war nicht der Einzige, sah sich doch deswegen der Deutschamerikanische “Internet-Experte” und Blogger Tim Cole in seinem Buch  “Unternehmen 2020 – das Internet war erst der Anfang” veranlasst, dem Herrn Schirrmacher ein explizites Kapitel zu widmen. Dieses trug den Titel “Nachwort: Schirrmachers Kopf, oder warum das Internet an allem schuld ist”. ABER: Bossharts Buch wird beim Lesen immer besser und ist bei weitem kein negativ eingestelltes Werk! (Auch wenn es schwierig zum Lesen ist)

Zum Buch: In seinem ersten Teil „Was uns bevorsteht“ beschreibt Bosshart, das die Gier, die Konsumsucht und die Angstgetriebene Wirtschaft in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, er formuliert zum Beispiel: ‚Sagen wir es klipp und klar: Der Planet Erde wird den Übergang der Emerging Nations von einer Subsistenzwirtschaft (wie zum grössten Teil noch in Indien heute) zum Produktionskapitalismus (wie in China) und dann in einen Konsumkapitalismus westlicher Art nicht verkraften…. …die „Verwestlichung des Planeten ist kein Traum mehr.. ..sondern allenfalls ein Albtraum‘. Dabei postuliert er für die Welt einen „dritten Weg“ à la: ‚Aufsteigen macht Spass. Und ebenfalls ja, Absteigen macht Angst. Aber es gibt eben auch einen Dritten Weg: Umsteigen und der macht Sinn.‘Am Schluss formulert Bosshart „10 unangenehme Wahrheiten des Age of Less“ (In Fett die Meinung des Geschäftsmanns 2.0 dazu):

  • Weniger Geschwindigkeit nicht einverstanden
  • Weniger Eroberungen richtig
  • Weniger Wertschöpfung kann sein
  • Weniger Arbeitsteilung nicht einverstanden
  • Weniger Produktion (physische) richtig
  • Weniger Kredit richtig
  • Weniger Erwerbstätigkeit richtig
  • Mehr Staat richtig aber leider nicht gut
  • Weniger Fortschritt nicht einverstanden
  • Mehr Pflichten richtig

Im zweiten Teil „Wie wir damit umgehen“ proklamiert Bosshart diverse Handlungsanweisungen, wie „weniger ist mehr / slow is beautiful / eine neue Shoppingkultur“ und führt gleichzeitig noch zu mehr Glück. Er geht in diesem Teil auch in die neue Klasse von Kapital ein: „Soziales Kapital“ und den Umgang damit. Weitere Schwerpunkte sind seine Schlagwörtersätze:

  • Sharing statt Sourcing
  • Kollektivnutzen (win/win) statt Kollateralschaden (im Sinne des Win/Lose-Mechanismus)
  • Do it ourselves: Menschen definieren sich über andere Menschen (let’s do it together in the future)
  • Inklusion statt Exklusivität (Miteinander statt gegeneinander, Informationhiding ist nicht mehr)

Dabei gliedert er die zukunftige Wertschöpfung in vier Stufen: 1.Sharing, 2.Kooperaton, 3.Kollaboration, 4.Kollektivismus oder sozialer Reichtum. Beim Kapitel Slow is beautiful ist unseres Erachtens die Hauptaussagen „Qualität anstelle Quantität“. Bei der neuen Shopping-Kultur proklamiert Bosshart den Umstieg auf folgende „Mechanismen“

  • Dematerialisierung (Anteil der materiellen Wertschöpfung nimmt ab)
  • Virtualisierung (Amazon und Co.)
  • Dialogisierung und geteilte Verantwortung
  • Bewusster, kollaborativer und flexibler Konsum

Zum Schluss kommt auch in diesem Teil ein Punkteprogramm:

  1. Every little helps (Es geht um unser aller Verhalten)
  2. Helfen Sie mit in die richtige Richtung zu Schubsen (Ihre Umwelt)
  3. Seit nett zueinander und bildet soziales Kapital
  4. Think global, act regional, act local (Laufdistanz ist der Key)
  5. Konsumieren ist Macht – Setze diese vorsichtig ein
  6. Esse besser, dafür weniger und bitte weniger effizient
  7. Esse nicht allein, betreibe kein Cocooning
  8. Höre auf den gesunden Menschenvertand
  9. Lass Deinen Kindern etwas übrig
  10. Betätige Dich Freiwillig (Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit)

Im kleinsten und  letzten Teil des Buches “Wie sich Unternehmen positionieren können” kommen Empfehlungen, welche aber aufgrund des von Bosshart gewählten philosophischen Approaches zum Thema  schwammig daherkommen. Welche Führungskraft kann schon mit Schlagwörtern wie z.B “Sozialkapitalismus” etwas anfangen? Zugegebenermassen sind die anderen zwei Kapitel wie z.B “Small is beautiful” schon griffiger, aber auch hier wird er nicht konkret. Wenigstens befindet sich in diesem Kapitel eine der wenigen Grafiken, die der Geschäftsmann 2.0 begreift, die anderen sind leider schwer zu verstehen.

Zum Themenabend: Neugierig, ob Herr Bosshart während seines Live-Themenabends konkreter würde, ist der Geschäftsmann 2.0 nach Rüschlikon gereist, um sich das Thema Live anzuhören. Der Saal war voll, die Gäste 45+ mit einer erstaunlich hohen Frauenquote. Das Age of Less wurde von Bosshart interessant dargelegt, die Auslegeordnung wurde exzellent gemacht. Doch auch sein Vortrag hatte das gleiche Problem wie das Buch, es fehlten konkrete Handlungsanweisungen für den Leser und für die Wirtschaft.

Anschliessend folgte Matthias Binswanger mit seinem Referat Wirtschaft ohne Wachstum und behandelte “Die Tretmühlen des Glücks – Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun?”. Sehr humorvoll wurden die diversesten Tretmühlen dargestellt, aber Lösungsansätze waren auch hier wenig erkennbar.

Age of Less 2012 -GDI

Mehr Infos gibt es auf dem Twitterstream zum Abend: #AOL2012

Dem letzten Referenten Beat Krippendorf konnte der Geschäftsmann nicht mehr folgen, denn er musste leider frühzeitig den Anlass verlassen….

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