Auf der Suche nach der Bank 2.0 – Alternative Bank Schweiz – Geldgespräch 3.12.2012

ABS Bank
ABS Bank in Olten by Night. Natürlich ein Minergie-P Bau

Der Geschäftsmann 2.0 hat vom Angebot der ABS Bank Gebrauch gemacht und hat sich dieses Finanzinstitut vor Ort in Olten angesehen. An einem Abendanlass referierte Prof. Dr. Marc Chesney über “Die Krankheiten des Finanzsektors” und anschliessend präsentierte der Geschäftsführer Martin Rohner, was sozial-ökologische Banken wie die ABS zur Gesundung dieses Finanzsektors beitragen können.Der Vortragssaal im 4. Stock der Bank war voll. Viele Jüngere Leute, sozusagen keine Kravattenträger!Das Referat von Chesney zeigte verschiedenste Missstände bei den Banken auf:

  • Ein Grundgesetz des Kapitalismus werde durch die Hedge Fonds verletzt: Nämlich derjenige, welcher höhere Risiken trägt entweder mehr bekommt oder im Schadenfall mehr zahlt. Hedge Fonds sind nicht reguliert und können die Risiken an die Gesellschaft abwälzen
  • Dann ist da die Gier: Chesney erwähnt die Boni der UBS-Angestellten oder ein aktuelles Beispiel der Bancia
  • Die ungerechte Einkommen auf unserem Planeten. Von dieser Ungerechtigkeit haben die Finanzinstitute über Massen profitiert
Dabei sprach Chesney von einer Mutation des Homo oeconomicus zum „Homo financiarius“ 😉 (Anm Gmann 2.0: Nice try! Aber der „Homo financiarius“ ist lediglich die schlimmste Ausprägung des Homo Oeconomicus! und lest doch mal das hier). Weiter zeigte er auf, wie sich sogenannte „Finanzinnovationen“, welche eigentlich der Realwirtschaft dienen sollten, die z.B etwas Absichern sollten, zu Wetten mutiert sind.Zusätzlich zur Wette kommt die enorme Komplexität der Produkte (Beispiel CDS) – Chesney spricht von Pyromanen im Finanzmarkt und unterlegt dies mit einem Ausschnitt aus dem öffentlichen „Financial Crysis Report“, welcher von einem Zusammenbruch in den Bereichen „Ethik“ und „Verantwortung“ spricht. Er sagt auch, das heute im 2012, vier Jahre nach Ausbruch der Krise, nicht viel dagegen gemacht worden ist! Und die Steuerzahler finanzieren nach wie vor die Verluste (der Grossbanken).  Eine weitere “Krankheit” ist die bereits im letzten Satz angetönte Krise der Werte: Chesney spricht Zynismus, Verhalten wie eine Prostituierte, keine Ethik mehr und dauernden Vergleichen mit “Frankenstein” (Siehe Bild unten)
Prof Chesney spricht von “Frankenstein-Systemen”! Lesen lohnt sich….
Chesney schliesst mit drei Statements: 1.) Man soll sich mal die horriblen Zustände im Finanzsektor zur Gemüte führen, welche der Geschäftsmann 2.0 schon mal hier auf diesem Kanal angeprangert hat (NY-Times) 2.) Wer mehr wissen will soll responsiblefinance.ch lesen und 3.) “too big to fail” sollte es nicht geben!
 
Der ABS Bank Geschäftsführer Martin Rohner, begann dann in seinem Referat mit dem Kurszerfall von British Petroleum nach der Explosion von Deepwater Horizon. Die Aktionäre flüchteten aber nicht wegen der Naturkatastrophe oder dem offensichtlich nicht nachhaltigen Geschäftsgebahren, sondern sie sorgten sich um den Firmenwert. Als weitere Beispiele nannte Rohner Fukushima oder bei uns in der Schweiz die Zersiedelung.
ABS Bank Chef M. Rohner am Bankgespräch
Die ABS gebe hier klar Gegensteuer: Bei der Photovoltaik war die ABS eine der Ersten und bei Projekten, welche in der Schweiz die Zersiedelung fördern, werden nicht unterstützt. Die ABS Bank lebe nach Ihren Werten. Die ABS lebe nach anderen Werten wie z.B. die UBS, so Rohner. Die Werte der ABS basieren auf 3 Säulen: Die Nachhaltigkeit, ein ethisch reflektiertes Geschäftsmodell und der Impact (der Geschäftstätigkeit).
Im “groben” Detail bedeutet das
  • Ethisch reflektiertes Geschäftsmodell
    -Ganzheitlichkeit
    -Transparenz
    -Konsequenz
    -Partizipation
  •  Nachhaltigkeit
    -Vorbildliche Governance
    -Vorbildliche Personalpolitik
    -Verantwortung der Umwelt gegenüber
    Nachhaltigkeit im Bankgeschäft: Fokus auf nachhaltige Zielgruppen, strenge Ausschlusskriterien
  • Impact: Als Unternehmen
    -Will man die Kunden sensibilsieren und im Finanzplatz Schweiz Position beziehen
    – Im Bankgeschäft will man speziellen Dienstleistungen/Produkten einen Marker setzen. Stellvertretend nennt Rohner die Vergabe der Kredite: Die meisten generieren einen sozialen oder ökologischen Mehrwert!
    -Speziell erwähnt der Chef der Bank den Positionsbezug der Bank. Man dulde weder Schwarzgelder und die Weissgeld-Strategie wird aktiv verfolgt, auch bei Ausländischen Kunden. Die Bank hat keine monetären Anreize für ihre Mitarbeiter, Boni sind ein Fremdwort!!
Fazit: Es war ein spannender Abend mit zwei spannenden Referaten, die ABS sei aber ein Tropfen auf den heissen Stein, so der Tenor im Plenum und auch bei den Referenten bei der anschliessenden Diskussion. Weiter ging die Diskussion in die Richtung “Wie profitabel kann eine nachhaltige Geschäftstätigkeit sein?” – Ein sehr spannendes Thema, findet der Geschäftsmann 2.0….
….Nun: Hat der Geschäftsmann nun eine Bank 2.0 gefunden? Na ja, die ABS ist eine komplette Retailbank, dies hat ja auch schon die ein wenig tiefere Analyse des Geschäftsmannes 2.0 gezeigt und die Bank ist sicher kundenorientiert, aber auch Sie ist nicht “Customer-Driven” oder gar “Stakeholder-Driven”. Im nächsten Bank 2.0 Beitrag wird dann ein weiteres Finanzinstitut angeguckt, welches auf dem Weg dorthin ist!
….So Long, Euer Pavel “Palo” Stacho

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