Der Tod von Twitter und die Vergewaltigung der sozialen Netze – Umair Haque zum Missbrauch 2.0

Twitter sei am Sterben.  Umair Haque, einer der jungen Lieblingsökonomen des Geschäftsmannes 2.0 ortet in seinem Essay den Grund dafür neben mangelndem Wettbewerb die Vergewaltigung des sozialen Netzes.

Twitter: Nur noch gewalttätig, öde und Grau
Twitter: Nur noch gewalttätig, öde und grau

Der grosse Missbrauch – Umair behauptet, dass das grösste Problem der Betreiber von den sozialen Plattformen die missbräuchliche Verwendung und die Übergriffe seien. Das sei schlimmer als die Probleme mit der Monetisierung (mit dem Geschäftsmodell Geld verdienen), der Regulation, den unglaublichen Investitionskosten oder der Zensur. Twitter wurde als globaler Treffpunkt gepriesen, doch Haque verortet dort nur noch Geschrei, Belästigung, Drohungen, Mobbing, Stalking, Tyrannei und Mobbing. Da werde gewaltsam bedroht und man kann nicht einmal die Polizei rufen. Und sowieso: Twitter fühle sich nur noch an wie ein Friedhof.  Die Betreiber der Plattformen nehmen dazu keine Stellung und sehen keinen Handlungsbedarf. Der Missbrauch ist bei denen kein, Thema, lediglich mehr Werbung.

Twitter als Plattform für Polemik 2.0 und Populismus 2.0.  Für Haque haben sich die verbleibenden Benutzer, welche Twitter nicht verlassen haben, sich in themenspezifischen Stämmen zusammengeschlossen. Übt jemand Kritik oder macht jemand eine Bemerkung, welche dem „Stamm“ nicht passt, dann wird er allen Mitteln bekämpft, über und unter der Gürtellinie.

Sittenverfall 2.0 –Der grosse Sittenverfall sei auch erklärbar .  Im Zentrum der Technologie liege ja auch der Programmcode und nicht das Benehmen: „Q&A in technology is considered an issue of code — not conduct“ schreibt Haque.  Die ständigen Übergriffe passieren in den sozialen Medien überall von überall her von Individueen, welche man nie zu Gesicht bekommen wird.  Er kommt zum Schluss, dass die Gesellschaft der Übergriffe der Megatrend im Web und schlussendlich auch auf dem Globus sei (Abusive Society). Die erhoffte digitale Revolution sei zur digitalen Tyrannei mutiert.

Was meint der Geschäftsmann 2.0 dazu? – Haque hat sicher bis zu einem gewissen Grad Recht. Auch er nimmt die Entvölkerung auf Facebook und Twitter wahr. Der Ton auf Twitter ist zeitweise rüder geworden und auch der Content scheint abgenommen zu haben. Und richtig: Die Retweets haben zugenommen.  Doch es gibt immer eine Pendelbewegung. Aktuell schwenkt das Pendel eher in Richtung Ernüchterung und Desillusionierung zum Thema soziale Netze.  Aber das Pendel wird zurückschwingen und das Web 2.0 und auch Twitter werden überleben. Die Revolution ist da!

So Long, Euer Geschäftsmann 2.0

Lesen – Umair Haque: The New Capitalist Manifesto: Building a Disruptively Better Business. Harvard Business Review Press 2010. ISBN 978-1422158586 . Das war eines der ersten Bücher des Geschäftsmannes 2.0 zur grossen Disruption.

 

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