Die Mühe des Geschäftsmannes, mal seine Daten auf Facebook einzusehen

Der Geschäftsmann wollte letzten Sommer mal schauen, was denn Facebook so alles von Ihm speichert. Dazu kann man sich ein Archiv aufbereiten lassen, welches einem dann zum Download zur Verfügung gestellt werden soll. ABER: Man sieht nur einen Teil seiner Daten, denn Facebook sieht sich ausserstande, alles zu extrahieren….

…und obermühsam war es auch: Der Versuch der Datenextraktion zog sich über Wochen hin, weil der Extrakt mehrmals bei Facebook abstürzte und der Geschäftsmann die Aufbereitung des Archivs mehrmals versuchen musste. Mit dem “normalen” Archiv klappte es nie, die Funktion “erweitertes Archiv” zeigte dann mal einen Erfolg:

Wie lief es ab? Anbei die Printscreens:

0. Anwählen: Bei den allgemeinen Kontoeinstellungen findet man den Link zum Archiv

1. Versuch mit der “normalen” Archivaufbereitung (Derjenigen, die eigentlich nie klappte), Nachahmer sollten lieber gleich mit dem Link “erweitertes Archiv herunterladen” beginnen.

2. Checkfrage zum Archivaufbau

 

 

3. Meldung, dass man ein Mail bekommt, wenn das Archiv bereit zum Download ist (kann bis zu 3 Tage gehen, so die Erfahrung des Geschäftsmannes)

4. Im Fehlerfall: Unter Umständen hat man die Situation, dass wie bereits erwähnt das Archiv nicht aufgebaut werden konnte, man aber den Job nicht neu starten kann. Das manifestiert sich dann so, dass der untenstehende grüne Knopf nicht reagiert. Was tun? Einige Tage warten oder eben “erweitertes Archiv” downzuloaden versuchen. (Man muss einfach x-mal probieren, eine Hotline gibt’s ja nicht bei Facebook, zumindest nicht für normale User…Ihr könnt Euch zwar die Mühe machen, einen Fehlerbericht an Google zu senden, aber Ihr werdet nie etwas von denen hören. Der Geschäftsmann hat’s probiert…)

5. Das erzeugte Archiv steht zum Download bereit!

6. Zu guter Letzt kann man dann ein ZIP-File downloaden. Wenn man das auftut sieht man eine Dateistruktur mit HTMLs drin:

Unten der Inhalt im “html” Ordner:

 

Dateneinsicht: Wenn man das index.html startet bekommt man folgende Seite im Browser angezeigt (Links befindet sich der Navigationsbereich mit den Untermenüs, durch welche man sich klicken kann. Sichtbar ist gerade das Untermenü “Ads Topics”, was das auch immer heissen mag…Erklärung hier )

 

Findings der Datenanalyse:

Der Geschäftsmann 2.0 hat sich mal durch alles durchgeklickt und hat alles mal angeschaut, nachfolgend die Punkte, die Ihm aufgefallen sind:

  • Adressbuch: Die Mailadressen im Adressbuch sind interessant, da hat es Adressen von Leuten mit welchen der Geschäftsmann auf Facebook gar nicht befreundet ist!
  • Anwendungen: Da sind Anwendungen drin, von welchen der Geschäftsmann gar nicht weiss, das er diese verwendet
  • Benachrichtigungseinstellungen: Der interessanteste Bereich, denn hier sieht man die gesamte Übersicht, sie man sein Profil einstellen und tracken könnte!

Fazit: Eine Drittperson bekommt mit diesem File ziemlich gute Einsicht in die Privatperson Geschäftsmann 2.0, seine Neigungen und seine Vorlieben wie auch sein Surfverfhalten und die Reaktionen auf die Werbung. Macht sich der Geschäftsmann deswegen jetzt Sorgen? Nein, er weiss ja (meistens), was er auf Facebook macht und postet. Apropos Posts: Es sind KEINE Daten der eigenen Status-Updates dabei! Die gehören ja bekanntlich Facebook…..

Facebook liest mit und ruft die Polizei – “Darf FB das?” fragt Josef Reitberger Chefredaktor CHIP. Falsche Frage meint der Geschäftsmann 2.0

Der Geschäftsmann 2.0 hat mit grossem Interesse das Editorial des Chip 09/2012 gelesen.  Der Josef Reitberger hat dort eine hochspannende, wenn nicht gar brisante Thematik angeschnitten. Um was geht´s? Zitieren wir doch gleich den ersten Absatz des Editorial:

Liebe Leserinnen und Leser,
am 9. März unterhielt sich ein Mann Anfang 30 mit einer 13-jährigen aus Florida im Facebook-Chat über Sex. Für den nächsten Tag verabredete er sich mit Ihr. Facebooks Analyse-Algorithmen identifizierten den Dialog als mögliche Anbahnung einer Straftat, Mitarbeiter überprüften die Chat-Protokolle und informierten die Polizei, die den Mann vor dem geplanten Treffen abfing und festnahm.

Im Nachgang stellt sich der Chefredaktor des Chip verhaltend zustimmend zu dem Vorfall und am Ende stellt er die auf der Hand liegende Frage, ob denn Facebook sowas überhaupt machen dürfe.

Der Geschäftsmann 2.0 meint, dass diese Frage, auch wenn Sie noch so offensichtlich ist, nicht die Richtige ist. Warum? Nun, das zu erklären dauert ein bizzeli länger: Facebook, wie auch die anderen sozialen Plattformen befriedigt ein menschliches Urbedürfnis, nämlich das der ungezwungenen Kommunikation. Die sozialen Netzwerke sind die neue Nachbarschaft! Das ist der Ort, wo man unverbindlichen Smalltalk machen kann und es hört/liest immer jemand zu! Und mit menschlichen Grundbedürfnissen hört man nicht einfach auf, man macht weiter, auch wenn man – wie oben beschrieben – laufend überwacht wird, egal obs richtig oder falsch ist. Es geht vielmehr um die Frage, wie man sich mit dem Big Brother Zeitalter arrangiert oder welche Umgehungs- / Abwehrstrategien einem zur Verfügung stehen.

Somit sollte die Frage eher heissen: “Wie gehst Du damit um, mit dieser Facebook-Ueberwachung?” Der Geschäftsmann kann für sich dies so beantworten:

Ich akzeptiere die Überwachung durch Facebook und durch weitere Insitutionen. Es bleibt mir ja eigentlich auch nichts anderes übrig, denn einerseits besteht die Möglichkeit dazu und wenn die Möglichkeit da ist, dann wird sie auch genutzt. Andererseits ist die Ueberwachung im Web generell integrales Element der digitalen Welt, wenn man Ja sagt zu digital, dann ist das wie das “A” und dann muss man auch zu “B”, dem Monitoring Ja sagen. Und zu guter Letzt: Das Schöne am Web 2.0 ist, dass diese Möglichkeiten in beide Richtungen funktionieren! Wenn wir in die Welt rausschauen, dann sehen wir, dass eher die Institutionen und die Firmen gläsern werden, der gläserne Bürger ist weniger der Fall!

Am Schluss möchte ich trotzdem die Frage von Hrn. Reitberger beantworten, ob Facebook sowas machen darf: Nein, Facebook darf eigentlich sowas nicht. Finde ich es falsch, ja! Kann ich etwas dagegen machen? Nein. Erwarte ich, dass Facebook damit aufhört? Nein.

So Long, Euer Geschäftsmann 2.0