Das Weltbild des Homo Coniunctus: Wrap-up des Geschäftsmannes 2.0 auf Basis Werte-Index 2012 (2)

Der Geschäftsmann 2.0 ist selber auch ein Homo Coniunctus. Er – sprich ich – sprich wir, die vernetzten Menschen nehmen die Welt folgendermassen wahr:

  1. Freiheit: Die Grundlagen unserer Freiheit basierten bisher auf etablierten institutionellen Strukturen. Doch auf den Staat können wir uns nicht mehr verlassen. Freiheit bedeutet für uns nicht mehr die Freiheit der Wahl oder Individualität. Freiheit bedeutet heutzutage vielmehr Autonomie. Wenn wir die Möglichkeit haben, dann machen wir uns überall wo es geht unabhängig. Zukünftig erfolgreiche Firmen bieten hierzu Hand.
  2. Familie: Wir wollen in dieser komplexen und weniger sicheren Welt einen Ort der Wärme, Ruhe und Geborgenheit schaffen. Dafür gründen wir eine Familie. Wer es zu einer eigenen Familie bringt, der demonstriert Optimismus, Flexibilität, Selbstsicherheit und Belastungsfähigkeit. Familie beisst sich nicht mit dem sonstigem Streben nach Unabhängigkeit. Betriebe sollten Ihre Stakes bei der Verwirklichung dieses Lebenstraums unterstützen.
  3. Gesundheit: Wir wollen heute und bis ans Ende unseres Lebens fit bleiben. Krankheit ist für uns keine Option. Wir haben begonnen, dem maroden Gesundheitssystem zu misstrauen. Deshalb zeigen wir selbst Initiative: Wir schauen zuerst bei Google nach, erst danach gehen wir zum Arzt. Bei den Communities im Web finden wir Diagnose und therapieren uns selbst mit der Unterstützung unserer Peers. Gesundheit wird zu unserem eigenen (Dauer-) Projekt. Vorbei mit dem Gott in Weiss, der Arzt, einst eine unserer wichtigsten Autoritäten, ist nur noch ein Teil unseres Projektteams.
  4. Gemeinschaft: In der Netzwerkgesellschaft ist die selbst gewählte Gemeinschaft unser virtuelles Zuhause. Die traditionellen Strukturen sind nicht mehr der Platz, wo wir nach Geborgenheit und Sicherheit suchen. Communities sind die heutige Gemeinschaftsform, welche uns Gleichgesinnten ebenfalls die notwendige Flexibilität und Unabhängigkeit ermöglichen. Es sind Zufluchtsorte und Freundesplätze. Einerseits garantieren Sie Anerkennung, Bestätigung und Zugehörigkeit, andererseits ist die Mechanik eine Unverbindliche. Unternehmen kommen in den Zwang, selber Gemeinschaften (Partnerschaften) vorzuleben und tun gut daran Communities zu stärken, sei es im Netz oder in der realen Welt.
  5. Sicherheit: Wir haben den Glauben in Politik und Institutionen verloren. Sie sind nicht mehr der Garant dafür, dass wir durch sie eine sichere Zukunft haben werden, in der Gegenwart schaffen es die Politiker und Institutionen ja auch nicht. Das Vertrauen in persönliche Beziehungen ist uns wichtiger geworden als das Vertrauen in Personen des öffentlichen Lebens. Immer wie mehr von uns sind gezwungen, doppelgleisig zu fahren. A.) Arbeiten wir, weil wir uns auf uns selbst verlassen müssen und wir unser Leben soweit wie sinnvoll und möglich optimeren wollen. B.) Suchen wir in den Communities Gleichgesinnte, mit welchen wir unsere Überzeugungen und Werte teilen können, damit wir in dieser Welt auch Rückhalt finden. Firmen tun gut daran, dieses Streben zu unterstützen und müssen alles daran setzen Vertrauen aufzubauen.
  6. Erfolg: Glück ist der neue immaterielle Erfolg. Profitmaximierung ist nicht mehr die absolute Zielgrösse. Geld und Glück schliessen sich nicht mehr aus, wir wollen beides. Unternehmen werden zukünftig nicht mehr nur am Gewinn gemessen, neu werden auch soziale und Umwelt-Ziele eine Rolle spielen. Die Firmen tun gut daran, wenn diese sich schon selbst so ausrichten. Denn lediglich die Firmen, welche Ihre Verantwortung bei Social-Impacts und Environmental Responsibility vorleben, werden Gewinne machen (Sonst haben Sie keine Kunden oder keine Mitarbeiter mehr, oder Beides).
  7. Anerkennung: Hierarchien und Titel liefern uns immer wie weniger die von uns ersehnte Wertschätzung. Anerkennung ist das begehrte Gut der Netzwerkgesellschaft und der Netzwerkökonomie. Es ist die Anerkennung, die uns anspornt uns zu besseren Leistungen motiviert und uns die nötigen stabilen Beziehungen schafft. Unternehmen zwingt das zum kompletten Wandel. Alle Anspruchsgruppen, seien es Kunden, Mitarbeiter oder Aktionäre müssen von den Firmen als Partner auf gleicher Augenhöhe wahrgenommen werden und das gelingt nur, wenn die Firma die gemeinsamen Werte vorlebt, denn sonst ist Anerkennung gar nicht möglich.
  8. Gerechtigkeit: Wir haben erkannt, dass nicht alle die gleichen Chancen haben und dass “guter Lohn für gute Leistung” nicht immer stimmt. Jeder von uns erlebt, dass die Verteilung des Wohlstands, wie auch die Bildungsmöglichkeiten anderen Mechanismen folgt. Wir haben uns mit dieser Ohnmacht arrangiert, indem wir unsere eigene Gerechtigkeitsbalance in unserem Umfeld etablieren. Firmen müssen sich für die Schaffung einer gerechteren Gesellschaft einsetzen, wenn die Unternehmen bei Ihren Anspruchsgruppen glaubwürdig bleiben wollen.
  9. Natur: Wir sehnen uns nach dem Natürlichen, dem Wahren. Wir wünschen uns einen nachhaltigen Lebensstil, ohne Raubbau an Ressourcen. Wir sorgen uns um die Zukunft unseres Planeten. Unternehmen müssen der Herausforderung begegnen, alle unsere drei Bedürfnisbereiche zu bedienen: Sehnsucht, Wunsch und Sorgetragen.
  10. Einfachheit: Wir möchten unsere Aufgaben vereinfachen und wir nutzen dazu interaktive Medien. Wir können nur durch ein ausgeklügeltes Komplexitätsmanagement zur persönlichen Einfachheit finden, welche wir als Entscheidungsgrundlage benötigen. Unternehmen müssen uns dabei helfen, sei es bei Ihrem Angebot, bei Ihren Produkten oder bei deren Organisation. Damit so eine Hilfe überhaupt möglich ist und akzeptiert wird, braucht es Vertrauen untereinander. Dieses Vertrauen ist von den Firmen aufzubauen und zu hegen und zu pflegen!
  11. Ehrlichkeit: Ehrlichkeit ist eine Seltenheit geworden. Wir durchschauen die geschliffenen Kampagnen und Kommunikationsstrategien der Verkäufer. Inzwischen wissen wir auch, dass es in dieser immer wie komplexeren Welt nicht mehr nur eine einzige Wahrheit gibt. Missstände kommen in dieser vernetzten Welt zwangsläufig ans Tageslicht, wir wachen inzwischen ständig über die Firmen und Institutionen. Die Sache läuft umgekehrt: Wir sind nicht so sehr daran, den gläsernen Konsumenten oder Bürger zu erhalten, sondern vielmehr die gläserne Institution und Unternehmung! Firmen und Institutionen können durch Authentizität viel gewinnen: Eigene Haltung/Meinung haben, diese einnehmen und vertreten, das erwarten wir auch von Unternehmen.
  12. Transparenz: In der Netzwerkgesellschaft ist Information und Wissen das Öl der Gesellschaft, es ist Brennstoff und Schmiermittel zugleich. Jeder von uns will mehr wissen (beachte die Kleinschreibung): Wir wollen mehr Einfluss, mehr Kontrolle, sprich will wollen von den Firmen und Institutionen mehr Transparenz. Das Internet wird das Instrument, mit welchem wir das erreichen werden. Wirtschaft und Politik werden keine andere Chancen mehr haben, als Ihre Tätigkeiten offen zu legen, es erwartet aber keiner, dass Alles frei zugänglich zu sein hat.

Frei adaptiert aus eigenen Betrachtungen und verarbeitet in der Struktur und mit Inhalten des Werte-Index 2012 (Wippermann/Krüger)

Emanzipiert, unabhängig, vernetzt und kritisch – Das Modell des Homo Coniunctus ergänzt oder verdrängt den des Homo Oeconomicus

Der Geschäftsmann 2.0 beschäftigt sich nun seit zwei Jahren mit den Veränderungen in dieser Welt. Die neue Stufe der Globalisierung, die komplette und ständige Vernetzung sowie die nachwachsenden Generationen führen auch zu einem Wertewandel. Werte sind normative Elemente der Gesellschaft. Wenn Werte sich ändern, dann ändern sich die meisten Aspekte der Gesellschaft. Man stelle sich nur vor, wenn die Gesellschaft plötzlich kriminelles Handeln dulden würde, so etwas würde in jeder Facette des Lebens Auswirkungen haben, sicher aber auch im Wirtschaftsleben!

Dem Geschäftsmann sind schon seit längerem Veränderungen im Wertesystem der Gesellschaft aufgefallen. Community ist plötzlich wichtig, das abnehmende Streben nach Erfolg oder der “Superstarter” Transparenz. Oder dass gegenteilige Wertehaltungen gleichzeitig gelebt und akzeptiert werden wie z.B die Neotribalisierung ( Community-Zugehörigkeit eben) gleichzeitig eine Über-Individualisierung angestrebt wird. Der Geschäftsmann 2.0 erkennt hier den Wandel vom Homo Oeconomicus zum Homo Coniunctus. Das Modell des Homo Oeconomicus, des rational handelnden und nutzenmaximierenden Menschen wird offensichtlich nicht mehr gültig. Es entstehen neue Regeln und neues Verhalten, basierend auf neuen Werten:

Bekannte Werte des Modells “Homo oeconomicus”

  1. (Persönlicher) Erfolg
  2. Gewinn & Wachstum
  3. Haben
  4. Macht & Egoismus
  5. Privatsphäre
  6. Gleichbehandlung / Gleichstellung
  7. Führung
  8. Hierarchie
  9. Produkt
  10. Zielgruppe
  11. Massenmarkt
  12. Markenmacht
Aufstrebende Werte des “Homo coniunctus”

  1. Gemeinschaft*
  2. Beitrag (Anerkennung)*
  3. Teilen / Nutzen
  4. Uneigennützigkeit & Rücksichtnahme*
  5. Transparenz*
  6. Individualisierung / Personalisierung*
  7. Selbstverantwortung*
  8. Netzwerk*
  9. Beziehung*
  10. Community*
  11. Long Tail
  12. Massenmacht

*=Merkmale des Homo coniunctus, welche im Werte-Index 2012 sofort wiedererkannt werden.

Zum konkreten Thema des Wertewandels in der Gesellschaft gibt es, wie überall, Spezialisten. Bereits in einem früheren Post hat der Geschäftsmann sich den Werteindex 2012 von Peter Wippermann und Jens Krüger näher angeschaut. Der überwiegende Teil der von Wippermann/Krüger identifizierten 12 Top Werte, insbesondere die Aufsteiger-Werte können viel eher dem Modell “Homo coniunctus” zugeordnet werden als dem “Homo oeconomicus” àFett markierte Wertenennungen des Werte-Index 2012:

  1. Freiheit (1)
  2. Familie (3)
  3. Gesundheit (4)
  4. Gemeinschaft (10)
  5. Sicherheit (4)
  6. Erfolg (2)
  7. Anerkennung (8)
  8. Gerechtigkeit (9)
  9. Natur (6)
  10. Einfachheit (7)
  11. Ehrlichkeit (11)
  12. Transparenz (-)

Kurz: Es lebe der Homo Coniunctus – Der vernetzte Mensch!

Bevor sich der Geschäftsmann 2.0 hier in diesem Blog den neuen Regeln und dem neuen Verhalten des Homo Coniunctus widmet, beleuchtet er in einer Serie Namens “Werte-Index 2012” die Arbeiten und Erkenntnisse von Wippermann/Krüger. Es folgen die Artikel:

  1. Werte im Zeitalter des Social Business – Ranking und Zusammenfassung der Werte sowie Hauptimplikationen für Unternehmen: Werte-Index 2012 (1)
  2. Das Weltbild des Homo Coniunctus: Wrap-up des Geschäftsmannes 2.0 auf Basis Werteindex 2012
  3. In welchem Kontext werden die neuen Werte diskutiert und wohin entwickelt sich der Wert?
  4. Erste Annäherung: Der Homo coniunctus & Unternehmen: Wie stellen sich Firmen auf die neue Werte-Welt ein?
  5. DER Aufsteigerwert: Transparenz als Hauptmerkmal des Homo coniunctus

So long Euer Homo coniunctus – Gmann 2.0

Etwas Besinnliches zu Pfingsten: EHRLICHKEIT – Der Wert auf Platz 11 im Werteindex-2012

Werteranking 2012 (Wippermann/Krüger):

1. Freiheit (1)
2. Familie (3)
3. Gesundheit (4)
4. Gemeinschaft (10)
5. Sicherheit (4)
6. Erfolg (2)
7. Anerkennung (8)
8. Gerechtigkeit (9)
9. Natur (6)
10. Einfachheit (7)
11. Ehrlichkeit (11)
12. Transparenz (-)

Wahrheit und Wandel: Wichtig wird, was selten ist – Ehrlichkeit: 
Ehrlichkeit ist eine Seltenheit geworden. Wir durchschauen die geschliffenen Kampagnen und Kommunikationsstrategien der Verkäufer. Inzwischen wissen wir auch, dass es in dieser immer wie komplexeren Welt nicht mehr nur eine einzige Wahrheit gibt. Missstände kommen in dieser vernetzten Welt zwangsläufig ans Tageslicht, wir wachen inzwischen ständig über die Firmen und Institutionen. Die Sache läuft umgekehrt: Wir sind nicht daran den gläsernen Konsumenten oder Bürger zu erhalten, sondern es entsteht vielmehr die gläserne Institution und Unternehmung!

Firmen und Institutionen können durch Authentizität viel gewinnen: Eigene Haltung/Meinung haben, diese einnehmen und vertreten. Dass ist das, was wir heutzutage von Unternehmen erwarten.

Neue Werte sind in Zeiten des Social Business gefragt! So Long, Euer Gmann 2.0

Werte-Index 2012: Wert “Gemeinschaft” als grosser Gewinner, “Erfolg” als Verlierer. Und ein neuer Wert: “Transparenz”

Der Geschäftsmann hat sich den Werte-Index 2012 von Peter Wippermann und Jens Krüger näher angeschaut, da er sich momentan sehr intensiv mit den Werten der sich momentan im Wandel befindenden Gesellschaft auseinandersetzt.

Die beiden Deutschen haben eine Werte-Hitparade erstellt und die Veränderungen zur letzten Erhebung im Jahre 2012 ausgewiesen. Da die Erhebung in Internet anhand einer Social Media Analyse passierte, nimmt der Geschäftsmann 2.0 mal an dass dies im gesamten  (virtuellen) Deutschen Sprachraum erfolgte, aber infolgedessen die deutschen Anteile hier prozentual übergewichtet sind (Schweizer hats 10mal weniger als Deutsche). Das Werte-Ranking 2012 sieht so aus (in klammern der Platz 2009)

  1. Freiheit (1)
  2. Familie (3)
  3. Gesundheit (4)
  4. Gemeinschaft (10)
  5. Sicherheit (4)
  6. Erfolg (2)
  7. Anerkennung (8)
  8. Gerechtigkeit (9)
  9. Natur (6)
  10. Einfachheit (7)
  11. Ehrlichkeit (11)
  12. Transparenz (-)

“Freiheit” wird inzwischen als die Möglichkeit zur Individualität verstanden und nicht als Freitheit der Wahl. Der Wert “Gemeinschaft” hat einen riesen Gump nach vorne gemacht, klar. In dieser Welt die immer vernetzter und globaler und unsicherer  wird, da wählt man sich eine Gemeinschaft, die Zugleich ein Zufluchtsort und ein Freundesplatz ist. “Erfolg” hat stark an Bedeutung verloren, da dieser Term mit “Materiellem” belastet ist und Profitmaximierung ist nicht mehr die absolute Zielgrösse. Heute will man Beides: “materiellen” Erfolg und Glück.

Ich wünsche besinnliche Pfingsten, so Long  Euer Gmann2.0