Hinschauen! Der Streik Konflikt von Verdi rund um Amazon ist richtungsweisend!

Im Weltbild der 2.0 haben Gewerkschaften im eigentlichen Sinne ausgedient. Die Gewerkschaft Verdi macht aktuell Wind gegen Amazon und will, dass deren Mitarbeiter bis Weihnachten 2015 streiken. Es ist sehr spannend, ob diese für die Zukunft der Weltentwicklung schädliche Aktion gelingt!

amazon-verdiDer Geschäftsmann 2.0 kommentiert das aktuelle Weltgeschehen nur sehr selten. Aber das ist nun doch sehr interessant. Wir sind in einer Zeit, in welcher speziell in Deutschland die plattformkapitalistischen Unternehmen des Internetzeitalters unter Beschuss stehen. Aber auch im Hauptland USA sind diese unter Beschuss, dort werden die milliardenschweren Chefs dieser ehemaligen Unicorns ja inzwischen als Robber Barons, als “Raubritter” bezeichnet.

Wir erleben gerade einen interessanten Machtkampf, in welcher sich eine 1.0er Machtorganisation, nämlich eine reaktionäre Gewerkschaft sich mit einem 2.0er Tycoon, mit Jeff Bezos und seiner Amazon anlegt. Der Ausgang wird wegweisend sein und man wird daran messen können, wie stark die Revolution des digitalen Zeitalters in Deutschland angekommen ist. Zugegebenermassen ist Verdi schon ein wenig mehr als 1.0, denn die Gewerkschaft hat inzwischen das Web und die sozialen Medien für Ihre Gewerkschaftspolemik entdeckt. Es ist lustig, schaut euch mal das an: https://www.amazon-verdi.de/ und https://www.facebook.com/verdi.bei.amazon

Edit 23.12.2015 – Die vom Geschäftsmann 2.0 bestellten Waren kamen problemlos an, gar einen Tag früher als angegeben (Am 22.12.2015 anstelle 23.12.2015)

Emanzipierte Bürger brauchen keine Gewerkschaft, welche sie “schützt”. Oder was meint Ihr?

Liebe Grüsse und schöne Weihnachten

Mehr Lesen zu den sich emanzipierenden 99% kann man hier

Wenn dein Videorekorder ohne dein Wissen echtes Geld produziert

Das Internet der Dinge könnte sich als schlimmste Gefahr seit Jahrzehnten zeigen, wenn die betroffenen Geräte gegen den Menschen missbraucht werden.

Eine amoklaufende Insulinpumpe. Ein sich beim Fahren deaktiverendes Bremssystem in einem Auto. Ein Botnetz bestehend aus Millionen von Fernsehern. Der Geschäftsmann ist kein Panikmacher, aber das Internet hat seine Unschuld schon vor längerer Zeit verloren. Da geht es nicht um Internet-Porno oder so, sondern dass (internetbasierte) Software die Welt grundlegend die Gesellschaft und Wirtschaft verändert (Software is eating the World). Social Business hatte noch was mit “Mensch-Netz-Geschäft-Netz-Mensch” zu tun. Aber nun tun sich vermeintlich gefährliche Mechanismen rund ums Internet of Things auf (Maschine-Geschäft-Maschine).

Immer wie mehr Alltagsgegenstände sind mit dem Internet verbunden und haben eingebaute Intelligenz. Jedem ist klar, dass die “Smart-TVs” eigentliche Computer geworden sind. Man stelle sich vor, wenn irgendeine Hackergruppe diese Millionen installierter Geräte knackt und als Botnet missbraucht. Botnetze sind die Grundlage der Computerkriminalität und der Geschäftsmann 2.0 hat sich mehr als einmal gefragt, ob einer seiner Windowsrechner ein Zombie geworden sei. Aber sein Radio, sein TV, oder gar sein Harddisk-Videorekorder? Und genau solche Videorekorder wurden in Vergangenheit zu einem Botnet missbraucht.

Ich bin eine Bitcoin-Mine
Ich bin eine Bitcoin-Mine

Bitcoin Mining mit dem Videorekorder Hacker haben es gemäss dem Magazin Wired  tatsächlich geschafft, mit Hilfe von gekidnappeten DVRs Geld zu machen, indem sie deren Rechenkapazität zum Bitcoin schürfen missbrauchten! Da wird der Videorekorder zur Gelddruckmaschine umgewandelt! Wahnsinn…. …auch das ist irgendwie eine Version von Plattformkapitalismus (Serie hier), oder?

Serie Kriminalität und Sicherheit und Internet Mit illegalen Machenschaften kann im Web sehr, sehr viel Geld gemacht werden und nicht nur mit digitaler Erpressung, so wie hier beschrieben. In den nächsten Posts wird sich der Geschäftsmann mit diesem Thema auseinandersetzen. Ist jemand von Euch schon mal Opfer von so etwas geworden ist, dann meldet Euch doch beim Geschäftsmann 2.0 (auch privat!).

….So Long, Euer Pavel Stacho aka Gmann 2.0

 

Diese Internetplattformen sind ein Schnäppchen, kaufen Sie doch! – Yahoo, AOL, ebay, Salesforce, PayPal, Yelp, Twitter

Wurden im letzten Beitrag noch viele neue Apps und Plattformen besprochen, kommen jetzt die betagteren Player an die Reihe. Viele ältere Internetfirmen sind Kandidaten für eine Übernahme. Hier kommen die Firmen und deren Preise.

Fast keine Internetplattform zu gross um geschluckt zu werden
Fast keine Internetplattform zu gross um geschluckt zu werden

Es gibt viel Geld im Markt. Es gibt Dinosaurier wie IBM, Microsoft, SAP oder Oracle, bei welchen wenig Innovationskraft erkennbar ist, dafür umso mehr Geld (okay, IBM hat zumindest die Smarter Planet Initiative mit Ihrem Watson) .

Für solche Firmen könnten die obigen Kaufkandidaten interessant sein, aber nicht nur. Das Salesforce für Oracle und ggf auch für Microsoft interessant ist, liegt auf der Hand. Yelp oder Aol könnten für Amazon was sein. Twitter und Google, das hört man schon lange. Yahoo und Ebay, wer will schon die? Aber heute sind diese ehemaligen Kolosse des Internet eher Zwerge, nun ja, fast. Und bei PayPal muss man kein Superhirn sein um zu vermuten, dass sich früher oder später die grossen Banken oder ähnliche Finanzinstitute um diese Firma prügeln werden.

Langer Rede kurzer Sinn: Auch Internetfirmen haben einen Lebenszyklus und auch der läuft bei einigen schneller. Yelp ist 11-jährig, Twitter ist neun, zumindest Yahoo ist gerade 20 geworden. Aber der Kapitalismus macht auch vor Internetplattformen keinen Halt. Weiter Lesen zum Plattformkapitalismus:

Apropos, was ist Euer Tipp? Wer wird von wem übernommen? Thx für eine kurze Einschätzung.

 

Ein UBER für Alles – Apps und Plattformen revolutionieren das tägliche Leben: SpoonRocket, Medicast, Alfred, Tinder etc.

“UBER ist überall – Es lebe die App für jede Lebenslage!” – Web 2.0 mal praktisch (27)

Für Alles eine App und ein wenig mehr –Von der vermeintlichen Netzwerkgesellschaft zum knallharten Plattformkapitalismus. Smartphone Apps verbunden mit Internetangeboten, welche das tägliche Leben vereinfachen sind zur Stunde ausgesprochen angesagt, versprechen Sie doch ein global skalierendes Geschäftsmodell. Wäre der Geschäftsmann 2.0 ein Angestellter oder Unternehmer in San Francisco oder in der Bay Area, dann würde sein Leben noch verAPPleter sein als es schon heute ist. Eine kleine Geschichte über Apps:

internetplatforms_medicast_tinder_topcoder_taskrabitt_quirky_tongal_incloudcounsel_btg_myclean_fiverr_handy

Als der Geschäftsmann 2.0 aus seinem Haus in der Nähe von Palo Alto tritt, verabschiedet er sich von seiner kränkelnden Frau und steigt in den gerade zugefahrenen Tesla, in welchem schon zwei Personen sitzen. Seine morgendliche, anderthalbstündige Fahrt nach San Francisco in sein Office Nähe Mid-Market teilt er sich mit Hilfe von Sidecar. Im Stau in Richtung City managed er seine Kleinarbeiten mit der Assistentin von Fancy Hands. Er ist an diesem Tag nicht der Fahrer, so kann er anschliessend auch gleich den Stand der Arbeiten für sein neues Firmen-CRM prüfen. Dieses hat er über TopCoder an einen philippinischen Entwickler vergeben. Im Nachgang prüft er, immer noch im Stau, die neu entwickelten Webseitenmodule, welche er über Elance an einen lokalen Freelancer gegeben hat, denn seinen Webinhalt will er so ‘lokal’ wie möglich gestaltet haben.

Inzwischen ist er im Büro angekommen. Noch auf dem Weg zum Arbeitsplatz bespricht er mit Hilfe der supercoolen Zoom-App das neue Produktevideo. Den Art Director und Designer hat er über Tongal gefunden, einer Plattform, welche so gut ist, dass ‘dort’ sogar Super Bowl Videos produziert werden. Nun ist es bald Mittag. An einen Lunch in einem der guten Restaurants des Mission Districts ist nicht zu denken, der Tag ist vollgepackt mit Terminen und Aufgaben. Deswegen wird über die SpoonRocket-App ein leckeres Steak mit Salat bestellt. Das Mahl wird wie versprochen zeitgerecht geliefert. Der Geschäftsmann 2.0 geniesst mit seinem Team das gepflegte Mittagessen in der Kantine.

Der Nachmittag ist zwar weniger kreativ, aber nicht weniger produktiv. Zusammen mit einem Berater von Eden McCallum führt er einen Analyse Workshop für die Marktentwicklung von Osteuropa durch. Der Berater ist ein in Grossbritannien ansässiger Pole, welcher wegen seiner jungen Familie lediglich 70% teilselbstständig arbeitet. Der Geschäftsmann 2.0 ist beeindruckt von seinen Marktkenntnissen und seiner Effizienz. Und die Leistungen sind nicht allzu teuer. Eden McCallum industrialisiert die Beraterbranche, der Berater kann viel flexibler arbeiten und der Geschäftsmann profitiert von den günstigeren Tagessätzen. Noch vor vier, fünf Jahren hätte er nicht gedacht, dass solche Workshops ohne ultrateuren Technologieeinsatz möglich sind, aber dank Conceptboard, einer b2b-Kollaborationsplattform geht das ganz einfach von der Hand! Das Schwierigste dabei ist die persönliche Umgewöhnung, ‘aber ist das nicht überall so?‘ überlegt er kurz.

Gegen Abend ist der mühsamste Teil des Arbeitstages an der Reihe; Die Markenrechte für die neue Produktelinie müssen global geschützt werden. Diese wichtige, aber monotone Arbeit erledigt er mit Hilfe von InCloudCounsel. Die Kosten sind beträchtlich tiefer, als bei der klassischen Anwaltskanzlei, welche in der Vergangenheit den Markenschutz für seine Firma erledigt hat. Inzwischen ist es halb sieben Uhr Abends geworden als er sich zum Pickup-Punkt aufmacht, um seine SideCar Fahrt nach Hause anzutreten. Zum Glück geht die Fahrt um diese Zeit nur noch ein wenig mehr als eine Stunde. Da bleiben auch die Blumen für seine Frau frisch, welche er am Nachmittag über seine Bloomthat-App bestellt hat und welche gerade vorhin von einem Velokurier geliefert worden sind.

Im Auto kommt der Geschäftsmann 2.0 langsam zur Ruhe. “Schon praktisch alle diese Helferlein in App-Form…” denkt er sich “...die Snobs von der Ostküste brauchen nicht mal mehr das, dort gibt es ja neu ‘Alfred’, dieses Portal erledigt praktisch alles für Dich, was nicht business like ist.” Bald nickt er für ein paar Minuten kurz ein.

Die Frau des Geschäftsmannes 2.0 hatte einen schwierigen Tag. Ihre starke Erkältung hatte sie geschwächt, doch es gab so viel zu tun! Zum Glück hatte sie, gleich nachdem Sie Ihrem Ehemann Adieu gesagt hatte, mit Hilfe Ihrer Medicast-App einen Doktor gebucht. Kaum eine halbe Stunde später war der ältere, erfahrene Hausarzt an der Tür. Sie kannten Sich bereits, sie waren fast Nachbarn, denn der Arzt hatte vor drei Jahren seine Praxis in der Nähe von Menlo Park aufgegeben und war in die Gegend gezogen. Jetzt machte er nur noch Hausbesuche. Dank Medicast konnte er so arbeiten, wie er wollte und auf den Praxis Stress verzichten. Die Frau nahm sich vor, all Ihre Pendenzen so rasch wie möglich zu erledigen, die Medikamente wirkten bereits. Doch sie wusste, dass die Besserung nicht von Dauer sein würde, ‘also los!‘ dachte sie sich. Ihre selber bedruckten Batik T-Shirts liefen auf Etsy ziemlich gut und sie organisierte über die Lyft-App die Abholung der fünf grossen Couverts, welche heute auf den Versand warteten. Der Bote kam beinahe gleichzeitig wie sein Kollege von Washio, welcher die grossen Tischdecken gereinigt zurückbrachte. Die Decken zusammen mit dem Hemden Ihres Mannes hatte sie gestern mit Hilfe der Washio-App abholen lassen und innert 24 Stunden war alles sauber retour ins Haus geliefert worden. Am späteren Vormittag hatte sich die Klempnerin angemeldet, das sagte zumindest ihre Task-Rabbit App. Die Mischbatterie war nicht mehr dicht und musste ausgetauscht werden. Ihr Ehemann hatte Ihr die nötige Reparatur im Bad schon seit Wochen versprochen, nun hatte sie die Sache selber zur Hand genommen, “All diese Freelancer aus der Umgebung sind ja genau für so etwas da!” dachte Sie sich. Und teuer war es auch nicht.  Während Sie auf die Klempnerin wartete, erledigte sie Ihre Mails. In der Inbox hatte Sie einige Fragen zur letzten Auftragsarbeit, welche Sie diesmal auf Mechanical Turk aufgegeben hatte. Sie hatte sich nämlich dazu entschlossen, die hunderten von Flohmarktanzeigen, welche Sie in den letzen zwanzig Jahren gesammelt hatte, zu scannen und indexieren zu lassen. Für die Vergabe von kleineren Arbeiten verwendete sie normalerweise Fiverr aber dieser Job war doch recht gross, auf Fiverr fand sich kein passender Anbieter und Fancy-Hands mit Ihren rein amerikanischen Freelance-Anbietern war für qualfiziertere und somit auch teuerere Arbeiten geeignet.

Doch nachdem die Klempnerin gegangen war, war Schluss! Die letzte halbe Stunde Smalltalk mit der jüngeren Handwerkers-Frau war zwar amüsant – die Klempnerin erzählte von Ihren Bekanntschaften mit Tinder-Männern – aber auch anstrengend. Die für den Nachmittag angemeldete Putzfrau war mit der Homejoy-App rasch abgemeldet. Anschliessend legte sich die Frau ‘kurz’ auf das Wohnzimmer Sofa. Sie  schlief sofort ein. Als der Geschäftsmann 2.0 am Abend mit den Blumen nach Hause kam, war sie immer noch fest am Schlafen. Zum Glück gibt es die Dominos’ Pizza App, da war das Not-Abendessen rasch bestellt und man konnte dabei minutengenau verfolgen, wo die Pizzen gerade waren…..

Die Apps oder Webseiten zur Geschichte:

  • Amazon Mechanical Turk Bildschirmarbeit verrichten oder verrichten lassen
  • Alfred Die Fernsteuerung für Ihre Haushaltsarbeiten, Einkaufen, Wäsche, putzen (New York und Boston)
  • BloomThat Schnittblumen on Demand
  • Business Talent Group – BTG (Berater On-Demand)
  • Dominos Pizza Kurier
  • Elance / oDesk (Heute Upwork mit neu 10%iger Gebühr)
  • Eden McCallum Mgmt Consulting / Beratung
  • Fancy Hands Get Things Done (USA basierte Assistenten)
  • Fiverr Alle Jobs für 5 Dollar (Ist in Indien tw ein Mehrtagesverdienst)
  • HANDY Putzfrauenplattform, nun auch in Grossbritannien aktiv
  • Homejoy Cleaning
  • Instarcart Lebensmittel innert einer Stunde zu Hause (So wie seit Jahren LeShop in der Scheiz oder neu auch Shopwings in Deutschland anbietet)
  • InCloudCounsel Mechanical Turk für Rechtsangelegenheiten
  • Lyft Taxidienst
  • Medicast bringt Ihm den Hausarzt zurück.
  • MyClean.com und MyClean.ch
  • Quirky Crowdgesourcee Ideen-Wettbewerbe, ähnlich Atizo
  • Shyp bringt alles überall hin.
  • Sidecar Sharing Rides
  • Spoon Rocket Essen innert einer Viertel Stunde
  • Task Rabbit das Allrounderportal, vom Klempner bis zum Servierboy für die Gartenparty.
  • Topcoder / Appirio (Für alles ein Programmierer)
  • Tongal ist Plattform für die Erstellung von Videos, warum sollte er was anderes nehmen, wenn sie schon für Super-Bowl Clips verwendet wurden
  • Tinder, bei den Jungen sehr beliebte “Blind-Date” App
  • Uber hat der Geschäftsmann 2.0  in seinem Erfahrungsbericht schon beschrieben
  • Washio Textilreinigung on Demand

Tools:

  • ConceptBoard – Dezentrale Kollaboration inklusive virtuelle Workshops
  • Zoom Videoconferencing. Hat beim Geschäftsmann 2.0 Skype und Hangouts abgelöst (älterer Beitrag hier)

Weiterlesen:

Welche Tools habt Ihr den so im Einsatz, welche App ist aus Eurer Sicht nennenswert? Ein kurzer Kommentar würde den Geschäftsmann 2.0 freuen! – So Long, euer Pavel “Palo” Stacho.

 

Social Business kommt in die Jahre und verliert an Glanz

Cloud Computing ist nach wie vor das Top Thema und mit dem sich anbahnenden socialbusinessdownInternet der Dinge nimmt die Relevanz von “Industrie 4.0” weiter zu. Das vom Gmann20 gehegte und gepflegte “Social Business” ist auf dem absteigenden Ast, aber die Anderen verstehen darunter so profane Dinger wie Social CRM, -Collaboration oder so, was natürlich nur ein kleiner Teil ist.

Von Social Networks zur Sharing Economy hin zum Plattform Kapitalismus – Doch Cloud als Schlagwort wird sehr bald überholt werden. In den letzten fünf bis zehn Jahren sind die (Web 2.0) Plattformen oder App-basierte Plattformangebote ganz gross geworden. Der bekannte Punk Blogger Sascha Lobo hat auf jeden Fall letzten Herbst voll ins Schwarze getroffen, als er bei der in Deutschland beginnenden Googlephobie den Term Plattform Kapitalismus prägte. Inzwischen haben die Amis diesen Ausdruck wie Waldsterben oder Kindergarten übernommen!

Zurück zu Social Business & Web 2.0: Mit den Schlagwörtern ist es so eine Sache. Sie nutzen sich ab. Sie werden beizeiten falsch verstanden. Irgendwann kann man ‘es’ nicht mehr hören oder es ist ganz einfach nicht mehr interessant.

Das geht dem Geschäftsmann 2.0 genau so! Langsam ist er wirklich bei der 2.0 angekommen! Auch wenn die digitale Revolution erst angefangen hat, das Umlernen hat bei Ihm nach über fünf Jahren langsam ein Ende! Ich freue mich darauf, nicht mehr nur Fachbücher zu lesen… …und er freut sich auf die interessanten Beiträge zu den Internet Plattformen!

Quelle: Artikel im Mittelstandswiki, Plattform Kapitalismus auf Spiegel Online

 

Digitale Disruption auf dem Bauernhof

24. Mai 2014 – Manager der traditionellsten Branche der Welt misstrauen einer vielversprechenden Technologie.  

Ausgepflanzt, das Prescriptive Planting (Rezepfpflanzung) von Monsanto macht Ackerbauern überflüssig - Geschäftsmann 2.0 ccby
Ausgepflanzt – Bei der Rezeptpflanzung von Monsanto braucht es keine Ackerbauern mehr

INNOVATION – Hört man dieses Wort, dann fallen einem kleine, agile Startups ein, welche clevere Ideen mit modernster Technik umsetzen. Aber Innovation ist ebenfalls in angestammten und bereits lange etablierten Industrien vital und es gibt wohl nicht viel Älteres als die Landwirtschaft. Viele Landwirte können den engstirnigsten Managern zugerechnet werden, so ist es keine Überraschung, dass bei ihnen eine neue und umwälzende Idee mit dem Namen Prescriptive Planting, der Rezeptpflanzung, für Nervösität sorgt. Es ist ein System, welches den Bauern mit grösster Präzision vorgibt, welche Samen auf welchem Acker zu pflanzen und zu kultivieren sind. Dies könnte zum umfassendsten Wandel  der Landwirtschaft in den reichen Staaten seit der Einführung von gentechnisch verändertem Saatgut führen. Es ist mindestens so umstritten, wirft es doch grundlegende Fragen auf, wem eigentlich die Informationen gehören, auf welchen das System basiert. Und es wirft die im Dreck wühlenden Bauern in die Welt von Big Data und Auseinandersetzungen rund um die Privatsphäre.

Das System zur Rezeptpflanzung von Monsanto – FieldScripts – war im letzten Jahr in der Versuchsphase. Heute (2014) ist es in vier US-Bundesstaaten offiziell verfügbar. Seine Geschichte reicht zurück ins Jahr 2006 zu einem Silicon Valley Startup namens Climate-Corporation. Gegründet durch zwei ehemalige Google Mitarbeiter, verwendete die Firma Luftbildfernerkundung und andere kartographische Techniken, um jedes einzelne Feld in Amerika (25M an der Zahl) zu vermessen. Weiter überlagerten sie diese Karten mit allen Klimainformationen, welche verfügbar waren. Bis zum Jahr 2010 wuchs die Datenbank auf über 150 Milliarden Bodenmessungen und auf 10 Billionen Wetter-Simulationspunkte an.

Die ursprüngliche Geschäftsidee der Climate-Corporation war, den Bauern eine Ernteversicherung zu verkaufen. Doch im Oktober 2013 kaufte Monsanto die Firma für geschätzt eine Milliarde US Dollar, eine der grössten Übernahmen für einen Datensammler per dato. Monsanto, einer der weltweit grössten Hybrid-Saatguthersteller, verfügt über ein Portfolio mit Hunderttausenden von Samen und Terabytes von Daten in Bezug auf deren Erträge. Fügt man dieses Knowhow der Boden- und Wetterdatenbank der Climate-Corporation hinzu, dann bekommt man eine eine Landkarte von Amerika, welche einem sagt, unter welchen Bedingungen welche Saat auf welchem Feld am Besten gedeiht.

FieldScripts nutzt alle diese Daten, um Maschinen von der Firma Precision Planting zu steuern, ein Unternehmen, welches 2012 durch Monsanto gekauft wurde. Es ist ein Anbieter von Pflanzautomaten und von anderen Gerätschaften, welche an einen Traktor angehängt werden. Seit den Anfangszeiten, als diese noch einfache Kisten waren welche den Samen regelmässig in den Boden gedrückt haben, haben sich Sähmaschinen radikal verändert. Einige dieser Geräte werden jetzt mit GPS gesteuert, geladen mit Daten von Monsanto, um einen Acker mit verschiedenen Sorten in unterschiedlichen Tiefen und Abständen zu bepflanzen, abhängig von der Wettersituation. Der Vorgang ist so individuell, als könne der Bauer jede seiner Pflanzen beim Namen nennen.

Rezeptpflanzung gewinnt schnell an Boden. Im November 2013 hat ein weiterer Saatguthersteller, Du Pont Pioneer, sich mit dem Landwirtschaftsmaschinen Hersteller John Deere zusammengetan, um die Beratung in Sachen Saatwahl und Düngung  bei den Landwirten massiv anzukurbeln. Die Bauerngenossenschaft Land O’Lakes, kaufte im Dezember ‘13 Geosys, ein Satelliten-Imaging-Unternehmen, um Ihr Farm-Datengeschäft weiter voranzutreiben.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Landwirte, welche das Monsanto-System ausprobiert hatten, konnten die Erträge um rund 5% über zwei Jahre hinweg erhöhen. Das ist ein Kunststück, welches bisher keine andere Einzelmassnahme bewerkstelligen konnte. Die Saatgut-Unternehmen denken, dass mit der Bereitstellung von mehr Daten zu Handen der Landwirte der Maisertrag Amerikas von 160 Scheffel pro Acre (10 Tonnen pro Hektar) auf 200 Scheffel möglich ist. Das wäre ein toller Sprung für die tiefen Margen der Erzeuger.

Aber Vorkommnisse rund um das Thema Rezeptpflanzung sind auch ein warnendes Beispiel für die entstehenden Konflikte, wenn datengetriebene Unternehmer auf altbackene Geschäftsleute treffen. Viele Landwirte stehen bereits jetzt mit gemischten Gefühlen der Technik gegenüber: Es werden zwar die Erträge gesteigert, aber gleichzeitig vermindert sich die Rolle und die bis anhin benötigte Fachkenntnis des Bauern im Ackerbau, sprich der Landwirt wird weitgehend seiner Kernkompetenz beraubt. Das aktuell noch grössere Problem ist das, dass die Bauern den Anbietern dieser neuen Methode misstrauen. Sie befürchten, dass die aus den Pflanzungen und Ernten entstehenden, detaillierten Datenströme missbraucht werden könnten. Die Geschäftsgeheimnisse der Bauern könnten an konkurrierende Farmer verkauft oder sonstig weitergegeben werden; Im schlimmsten Fall wird befürchtet, dass die Anbieter der Rezeptpflanzung Ihre Daten sogar dazu verwenden könnten, um schlecht laufende Bauernhöfe aufzukaufen und dass die Konzerne dann damit anfangen würden, die Landwirte direkt zu konkurrenzieren. Oder die Daten über die Ernte(-Prognosen) könnten zu Ungunsten der Bauern für Spekulationen an den Rohstoffbörsen verwendet werden.

Dem geschenkten Gaul ins Maul geschaut Um solchen Sorgen entgegen zu wirken, hat die grösste Bauernvereinigung, das American Farm Bureau, mit der Erstellung eines Code of Conduct – eines Verhaltenskodex begonnen. Darin wird festgehalten, dass die Daten über die Äcker den Bauern gehören und diese die Kontrolle darüber behalten müssen. Dass die Anbieter der Daten diese lediglich für den ursprünglichen, freigegebenen Zweck zu verwenden haben und dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben oder verkauft werden dürfen. Die Konzerne sind mit diesen Regelungen grundsätzlich einverstanden, auch wenn deren Verträge diesen Sachverhalt aktuell nicht immer widerspiegeln. Man könnte behaupten, dass die Eigentumsrechte nicht mehr gültig sind, wenn die Daten einmal weitergereicht und anonymisiert wurden, es ist zur Zeit also nicht genau klar, welche Rechte den Bauern effektiv zustehen. Aus diesem und anderen Gründen haben sich einige Texaner Landwirte zusammengeschlossen und die Grower Information Services Cooperative (Erzeuger Datendienst Kooperative) gegründet, um den grossen Datenanbietern entgegenzutreten und mit ihnen verhandeln zu können.

Eine weitere grosse Sorge ist, dass die Landwirte in die Lieferantenfalle tappen, da die Informationen nicht transferierbar sind. Die Bauern könnten somit in eine Lock-In Situation geraten, wo sie einem einzelnen Anbieter hilflos ausgeliefert sind. Um diese Bedenken zu zerstreuen, hat die Climate Corporation einen kostenlosen Informationsspeicherungsdienst aufgebaut. Auf die darin gehaltenen Acker- und Pflanzdaten kann durch Dritte nur mit Einwilligung der jeweiligen Bauern zugegriffen werden. Auch treten aktuell neue Datenmanagement-Unternehmen in diesen Nischenmarkt ein, was zu einer verbesserten Wettbewerbssituation führen wird.

In der näheren Zukunft werden aber die Grossunternehmen die Rezeptpflanzung, das Prescriptive Planting, weiterhin dominieren. Sie sammeln im grössten Masse die Informationen und wissen diese besser zu nutzen als jeder andere. Und das wirft das Problem auf, welches allen bei Big Data Anwendungsfällen vorliegt. Rezeptpflanzung steigert die Ernteerträge überall, genau gleich wie massenhaft verfügbare anonymisierte Patientendaten das Gesundheitswesen umfassend verbessern können.

Doch der Erfolg hängt schlussendlich davon ab, ob die Datenanbieter die Benutzer – seien es Landwirte oder Patienten – davon überzeugen können, ihnen zu vertrauen. Wenn die Nutzer glauben, dass sie dabei ein zu grosses Risiko eingehen und dass die Datenanbieter zu stark profitieren, dann wird das (in des Zeiten des Social Business so unglaublich wichtige) Vertrauen Mangelware bleiben.

Originaltext http://www.economist.com/news/business/21602757-managers-most-traditional-industries-distrust-promising-new-technology-digital

 

Weitere Links