Bank 2.0: König Kunde macht die Regeln – The Customer driven Bank

Der Term “Banker” ist in der Welt momentan nicht unbedingt positiv assoziiert, nicht in der Schweiz und noch viel weniger im Ausland. Wenn der Geschäftsmann 2.0 das Wort “Investmentbanker” hört, dann poppt bei Ihm in seinen Gedanken gleichzeitig das Wort “Heuschrecke” auf. Nicht gerade schmeichelnd sowas. Das Schlimme daran ist, dass diese Assoziation ausschliesslich durch die Medien im Hirn des Geschäftsmannes eingepflanzt worden ist! Umso schlimmer ist das, denkt sich der Geschäftsmann 2.0, weil er sozusagen keine Zeitungen und Zeitschriften liest!!! Aber es gibt nicht nur Investmentbanker, das Bankenwesen beinhaltet eigentlich 4 Geschäftsmodelle

  • Retailbanking (Endkundenzeugs inkl eBanking etc)
  • Private Banking (Vermögensverwaltung)
  • Investmentbanking (Rund um die Börse, Anlagezeugs sowie M&A)
  • Asset Management (Anlagegeschichten rund um “Institutionelle” wie z.B. Pensionskassen)

Alle vier Bereiche werden sich wandeln, es passiert bereits. Wie der Gmann schon in einem älteren Post angemerkt hat, ist er überzeugt, dass die Banker in der Schweiz, welche Ihren Job verlieren, sehr schnell wieder eine neue Stelle haben werden, sofern diese Leute genug flexibel sind. Aber der Wandel wird wohl tiefgreifend sein, das sieht man, wenn schon nur die Zahlen betrachtet. Was aber die wenigsten Leute wissen: Die erwirtschafteten Gebühren im Investementbanking gingen in den letzten drei Jahren um 1/3 zurück! Das gleiche passiert bei den Kommissionen: Die Einkünfte sind um 26% zurückgegangen.

Aber eben: Alle Welt spricht von ETF und die Kunden wollen selber bestimmen, was und wie sie Ihr Geld anlegen. Das gilt für den Privatanleger (Private Banking) genau gleich wie für die Pensionskasse (Asset Management). Und Otto-Normalverbraucher nervt sich immer wie mehr ob dem Preismodell für seine Konten (Retail Banking). Er kann immer wie weniger verstehen, wozu er diese 7 Franken Kontoführungsspesen pro Quartal bei der UBS berappen soll, oder wieso er bei jedem EC-Bezug bei der Valiant Bank 2 Franken abdrücken soll. Einige Banken reagieren bereits: Die Valiant hat gerade diesen Monat die zwei Stutz pro EC-Bezug abgeschafft. Dafür taucht die Post mit der Postfinance als Gebührenhai auf. Ab Frühling 2013 will auch die PF höhere Kontoführungsspesen für Konten, die weniger als +/- 7500 Franken oder so auf dem Konto haben.

Doch zurück zum Kunden: Der (Bank-) Kunde will Transparenz. Auch bei der Bank und Ihren Leistungen und Gebühren. Das aufkommende Modell des Homo coniunctus will ein individualisiertes und automatisiertes Angebot. Damit sowas überhaupt möglich wird, muss die ganze Branche durch einen rieesigen Standartisierungs- und Industrialisierungsprozess! Dieser Prozess wird Geld kosten. Viel Geld. Und er wird für viele kleinere Vermögensverwalter durch die verteuernde (und immer noch zunehmende?) Compliance und die Implikation bei den IT-Systemen unbezahlbar werden. BostonConsulting sagt: 10 Mia Franken under Assets wird das Minimum für Vermögensverwalter werden. IT-, Abwicklungs-, Research- und Compliance-Kompetenzen werden zukünftig wohl sowieso outgesourced werden. Der normale Endkunde ist das Einte, der Kunde namens Pensionskasse ist das Andere. Dieser ist für die Bank cht übel, der ist nämlich ein Profi in Geldangelegenheiten und somit viel schwieriger zu bedienen. Gemäss einem Artikel der “Schweizer Bank” (12/12), welcher den gleichen Titel wie dieser Post trägt, tun sich viele Schweizer Banken schwer mit dem Asset Management (=Institutionelle Kunden = Pensionskassen). In diesem Bereich wird sozusagen nicht investiert. Das Gleiche gilt für das Investment Banking, da wird abgebaut, UBS lässt grüssen. Aber nicht nur dort: Der Geschäftsmann 2.0 weiss aktuell von der Julius Bär, welche im IB ebenfalls “runterfährt”. Und die “Schweizer Bank” spricht ebenfalls vom Abbau im Investmentbanking bei Barclays, Deutsche Bank und Credit-Suisse und konstatiert, dass beim IB eine “schlank aufgestellte Investmentbank mit stabilen Ertragsquellen” nach wie vor robust sein kann (Was auch immer das heisst) und erwähnt auch beim Investmentbanking eine nötige Industrialisierung bei gleichzeitiger Individualisierung.

Schlussendlich haben aber alle Banken(bereiche) das gleiche Problem: Das Fehlen von Web 2.0 fähigen Produkten und Dienstleistungen! Doch damit so etwas möglich ist, muss die Bank erst mehrere Evolutionsstufen durchlaufen und zu einer “Customer driven Bank” werden! Und jetzt kommts: Überlegt Euch mal, wie lange das bei einer aktuell herkömmlich aufgestellten Bank dauert und wie viele Iterationen gemacht werden müssen, um dorthin zu kommen?

Wieviele Finanzinstitute werden so etwas nicht überleben? 20%, 50% oder mehr? Werden die grossen Banken gerade wegen Ihrer Grösse den langen Atem haben, oder werden Sie aufgrund Ihrer Grösse wie die Dinos zugrunde gehen (Staaten stützen ja aktuell die Dinos da scheinbar “to big to fail”)?

Und welche neuen Player werden in den Markt kommen? Quereinsteiger, weil diese eben mehr Customer-Driven sind – wie z.B Ebay (Stichwort “Paypal”, das ist ne Bank), junge Banken mit den richtigen Ansätzen* wie ABS Schweiz (Retailbanking) / Globalance (Privatebanking) oder ganz neue spezialisierte Player wie z.B Tradeshift (Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung 2.0)?

Fazit: Das Banking und somit weite Teile der Schweiz stehen vor spannenden 10 Jahren, also “Los Richtung Bank 2.0“, denn “The best way to predict the future is to invent it!”

So Long Euer Gmann 2.0

*Diese Unternehmen bewegen sich lediglich ansatzweise in Richtung Bank 2.0, denn customer-focused (So wie diese Banken es sind)  heisst noch lange nicht customer-driven.

PS: Liebe Banker, wenn Ihr Beratung braucht, dann nur melden 😉

Tradeshift, die soziale E-Rechnungsplattform kündigt Fast Track an

News vom Liebling des Geschäftsmannes 2.0, nämlich von Tradeshift, dem sozialen Netz-werk für elektronische Rechnungsstellung:

SAN FRANCISCO, CA – (MARKET WIRE) – 03/07/1012 – Tradeshift, die am schnellsten wachsende globale E-Invoicing-Plattform welche gleichzeitig ein Business Netzwerk ist, gab diese Woche die Veröffentlichung von Fast Track bekannt. Fast Track erlaubt ein schnelles und risikoarmes Rollout der Tradeshift e-Invoicing Plattform für Kunden, welche viele Liefe-ranten schnell anbinden wollen. Tradeshift informierte an der E-Invoicing Konferenz in Brüssel, dass es dem Kunden durch Fast Track möglich sei, Tausende von rechnungsstellenden Lieferanten innert kürzester Zeit produktiv anzubinden. In Projekten wurde eine Anbindung von 94% der Lieferanten und 80% des Rechnungsvolumens innert 4 Monaten erreicht. Das Rollout-Paket ist für eine unbegrenzte Anzahl von Lieferanten ausgelegt und im tiefen Preis sind 25‘000 Rechnungen pro Jahr inbegriffen. Für den Rechnungssteller ist die Verwendung von Tradeshift wie üblich kostenfrei. Fast Track ermöglicht es auch den Lieferanten, die Vorteile von CloudScan zu nutzen, einem Produkt, welches es erlaubt den manuellen Eingang von Rechnungen per E-Mail, PDF oder auf Papier zu eliminieren.

So Long, Euer Geschäftsmann 2.0

Web 2.0 mal praktisch (10) – Wieso immer e-Banking: Zahlwesen für Business mal anders – PayPal

Viele kennen bereits den Dienst von PayPal (Wiki). Auch ich verwende diese Plattform. Paypal funktioniert eigentlich wie eine PrePaid-Kreditkarte. Aufladen kann man diese entweder mit einer Belastung der normalen Kreditkarte, mit Ueberweisung von einem Bankkonto her oder eben mit Zahlungen von Dritten auf dieses Konto.

Was viele nicht wissen: Paypal ist in Europa eine Bank mit Sitz in Luxemburg. Sprich Paypal kann in Europa eigentlich noch viel mehr, als für die Internetgemeinde Konti führen. Das hat sich z.B die von mir im letzten Post zitierte E-Rechnungsplattform http://www.tradeshift.com zu Nutze gemacht:

Der Tod des Factorings – Wenn ein Rechnungsempfänger auf Tradeshift eine gestellte Rechnung akzeptiert, so ist der Rechnungssteller in der Lage, bei Paypal fuer den Rechnungsbetrag oder einen Teil davon als „Instant Payment“ (quasi als Vorschuss/Darlehen) zu erhalten! Das ist schlicht und ergreifend revolutionär. Die Banken, die Factoring Dienstleistungen  anbieten, müssen sich in Zukunft warm anziehen! 

Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, um bei diesem Dienst ein Konto haben. Die Firma gehört übrigens der amerikanischen Ebay. Apropos Amerikanisch: Es scheint, dass sich PayPal beizeiten so verhält wie eine US-Amerikanische Behörde. Letzten Herbst war ich bei einem Skype-Interview mit dem internierten Julian Assange, dem Gründer von Wikileaks. Dieser hatte sich damals lauthals darüber beschwert, dass zB Institute wie American Express oder eben PayPal die Konten von Wikileaks eingefroren haben. Eine kurze Recherche (siehe unten) zeigt, dass bei PayPal öfters Konten eingefroren werden (Ich habe gerechtigkeitshalber Pro- und Kontra-Statements in Bezug auf PayPalaufgelistet).

Pro:
http://einkaufen247.com/7-gruende-fuer-paypal/

Contra:
http://testberichte.ebay.de/Pay-Pal-Abzocke-durch-ebay-10-gute-Gruende-gegen-PayPaL?ugid=10000000010067487

Gut: http://www.it-recht-kanzlei.de/Brauchen_wir_PayPal.html

Ich empfehle jedem, lieber eBanking zu verwenden, weil meine Erfahrung einfach gezeigt hat, dass schon nur die Gebühren von Paypal beizeiten sehr hoch sind. Weiter kann ich persönlich so ein „Einfrier-Verhalten“ der Firma nicht akzeptieren und mir als Schweizer ist diese offensichtliche „Konto-Transparenz“ gegenüber US-Behörden ein Greuel!

Trotzdem: Die Paypalisierung der Internet-Welt wird weitergehen, schon nur weil z.B das US-amerikanische Zahlwesen immer noch von vorgestern, sprich Check-basiert ist. Ebenfalls bekommt man via Paypal (meistens) „sofort“ sein Geld…..

….und die Paypalisierung wird auch weitergehen, weil vorallem Tradeshift sich aufgemacht hat, die Business-Welt zu regieren 🙂

Web 2.0 mal praktisch – (9) Tradeshift: Es war nie einfacher, Rechnungen zu erstellen und zu versenden

Tradeshift wird die (Business-) Welt regieren! Diejenigen, die mich schon länger kennen, wissen, dass ich ein angefressener Tradeshift Fan bin. Wieso? Weil Tradeshift genau gleich funktioniert wie z.B Facebook. Im Gegensatz zu Facebook verfolgt man aber auf Tradeshift den Aufbau seines Netzwerks zu einem ganz klaren Zweck: Dem der Rechnungsstellung. Auf Tradeshift können sich Geschäftspartner gegenseitig Rechnungen austauschen, ganz einfach. Bestehen Fragen oder Beanstandungen zu einer Rechnung, dann können diese sehr schnell und sehr effizient direkt in einem Chat zur konkreten Rechnung bereinigt werden. Die Funktionalität geht sogar noch weiter. Die Instant-Payment Funktionalität erlaubt es einem sogar, sein Geld schneller zu bekommen, auf welches man Anspruch hat. Schlicht und einfach revolutionär.

Uebersicht über bekommene und versendete Rechnungen

Tradeshift hat im Jahr zwei seiner Existenz über 60 000 User in  160 Ländern und wird 2012 den Branchenprimus Ariba überholen, was das Wachstum anbelangt. Tradeshift hier auf Wikipedia.

Wie mit Hilfe von Twitter Business entsteht – Tradeshift

Ich bin auf eine Twitter-Konversation gestossen, welche für mich exemplarisch für den Wandel des geschäftlichen Handelns eines Geschäftsmannes 2.0 ist. Tradeshift ist eine Plattform, welche gratis elektronische Rechnungspräsentation erlaubt. Dieser clevere Service erlaubt es Gross und Klein gegenseitig Rechnungen auszutauschen und diese anhand von Social Media Mechanismen zu bearbeiten (z.B. Rechnungen können in einem kollaborativen Modus behandelt werden, so ist eine Beanstandung oder gar eine allfällige Verweigerung sehr simpel gelöst. Aus meiner Sicht ist Tradeshift die erste wirkliche „soziale Business Plattform“ der Welt. Alles begann mit einem Tweet eines gewissen Morten Lund, in welchem er Informationen über Software für öffentliche Verwaltungen / Open Source nachgefragt hat:

  • ML: HEEELP. contact me if you really understand software for Municipalities (small) – 4 Juni 2009 – Twitter
  • hippebrun: @christianlanng Har du set @ml tweet? HEEELP. contact me if you really understand software for Municipalities (small) – 4 Juni 2009 – Twitter
  • christianlanng: @ml What do you want to know? (Google me) – 4 Juni 2009 – Twitter
  • ML: @christianlanng I wanna know all u know! – 5 Juni 2009 – Twitter

Morten und Christian trafen sich anschliessend in Kopenhagen, und Christian erzählte wie „NemHandel“, quasi ein „Vorgänger“ von Tradeshift, entstand.

Schlussendlich führte diese Twitter-Konversation zu dem, was heute Tradeshift ist. Und heute, 15 Monate nach der Firmengründung konnte Tradeshift bereits einige Erfolge verbuchen. Der Service wird seit dem Launch im Mai in über 60 Ländern gebraucht und die Firma PayPal ist als strategischer Investor eingestiegen (http://techcrunch.com/2010/10/11/paypal-invests-tradeshift-lanng/)

Ich finde das bestechend, was meint Ihr? Gebt mir ein Feedback!

Weiterführende Infos:
Details zu Tradeshift http://tradeshift.com/en/
Uberblicks-Video zu Tradeshift: http://www.youtube.com/watch?v=Goh5vXW_27s
Schönes Video zu Tradeshift Enterprise: http://tradeshift.com/enterprise/?utm_content=tweetdeck&utm_medium=ts.tt-twitter&utm_source=direct-ts.tt
Homepage von Morten Lund: http://lundxy.com/