Ein UBER für Alles – Apps und Plattformen revolutionieren das tägliche Leben: SpoonRocket, Medicast, Alfred, Tinder etc.

“UBER ist überall – Es lebe die App für jede Lebenslage!” – Web 2.0 mal praktisch (27)

Für Alles eine App und ein wenig mehr –Von der vermeintlichen Netzwerkgesellschaft zum knallharten Plattformkapitalismus. Smartphone Apps verbunden mit Internetangeboten, welche das tägliche Leben vereinfachen sind zur Stunde ausgesprochen angesagt, versprechen Sie doch ein global skalierendes Geschäftsmodell. Wäre der Geschäftsmann 2.0 ein Angestellter oder Unternehmer in San Francisco oder in der Bay Area, dann würde sein Leben noch verAPPleter sein als es schon heute ist. Eine kleine Geschichte über Apps:

internetplatforms_medicast_tinder_topcoder_taskrabitt_quirky_tongal_incloudcounsel_btg_myclean_fiverr_handy

Als der Geschäftsmann 2.0 aus seinem Haus in der Nähe von Palo Alto tritt, verabschiedet er sich von seiner kränkelnden Frau und steigt in den gerade zugefahrenen Tesla, in welchem schon zwei Personen sitzen. Seine morgendliche, anderthalbstündige Fahrt nach San Francisco in sein Office Nähe Mid-Market teilt er sich mit Hilfe von Sidecar. Im Stau in Richtung City managed er seine Kleinarbeiten mit der Assistentin von Fancy Hands. Er ist an diesem Tag nicht der Fahrer, so kann er anschliessend auch gleich den Stand der Arbeiten für sein neues Firmen-CRM prüfen. Dieses hat er über TopCoder an einen philippinischen Entwickler vergeben. Im Nachgang prüft er, immer noch im Stau, die neu entwickelten Webseitenmodule, welche er über Elance an einen lokalen Freelancer gegeben hat, denn seinen Webinhalt will er so ‘lokal’ wie möglich gestaltet haben.

Inzwischen ist er im Büro angekommen. Noch auf dem Weg zum Arbeitsplatz bespricht er mit Hilfe der supercoolen Zoom-App das neue Produktevideo. Den Art Director und Designer hat er über Tongal gefunden, einer Plattform, welche so gut ist, dass ‘dort’ sogar Super Bowl Videos produziert werden. Nun ist es bald Mittag. An einen Lunch in einem der guten Restaurants des Mission Districts ist nicht zu denken, der Tag ist vollgepackt mit Terminen und Aufgaben. Deswegen wird über die SpoonRocket-App ein leckeres Steak mit Salat bestellt. Das Mahl wird wie versprochen zeitgerecht geliefert. Der Geschäftsmann 2.0 geniesst mit seinem Team das gepflegte Mittagessen in der Kantine.

Der Nachmittag ist zwar weniger kreativ, aber nicht weniger produktiv. Zusammen mit einem Berater von Eden McCallum führt er einen Analyse Workshop für die Marktentwicklung von Osteuropa durch. Der Berater ist ein in Grossbritannien ansässiger Pole, welcher wegen seiner jungen Familie lediglich 70% teilselbstständig arbeitet. Der Geschäftsmann 2.0 ist beeindruckt von seinen Marktkenntnissen und seiner Effizienz. Und die Leistungen sind nicht allzu teuer. Eden McCallum industrialisiert die Beraterbranche, der Berater kann viel flexibler arbeiten und der Geschäftsmann profitiert von den günstigeren Tagessätzen. Noch vor vier, fünf Jahren hätte er nicht gedacht, dass solche Workshops ohne ultrateuren Technologieeinsatz möglich sind, aber dank Conceptboard, einer b2b-Kollaborationsplattform geht das ganz einfach von der Hand! Das Schwierigste dabei ist die persönliche Umgewöhnung, ‘aber ist das nicht überall so?‘ überlegt er kurz.

Gegen Abend ist der mühsamste Teil des Arbeitstages an der Reihe; Die Markenrechte für die neue Produktelinie müssen global geschützt werden. Diese wichtige, aber monotone Arbeit erledigt er mit Hilfe von InCloudCounsel. Die Kosten sind beträchtlich tiefer, als bei der klassischen Anwaltskanzlei, welche in der Vergangenheit den Markenschutz für seine Firma erledigt hat. Inzwischen ist es halb sieben Uhr Abends geworden als er sich zum Pickup-Punkt aufmacht, um seine SideCar Fahrt nach Hause anzutreten. Zum Glück geht die Fahrt um diese Zeit nur noch ein wenig mehr als eine Stunde. Da bleiben auch die Blumen für seine Frau frisch, welche er am Nachmittag über seine Bloomthat-App bestellt hat und welche gerade vorhin von einem Velokurier geliefert worden sind.

Im Auto kommt der Geschäftsmann 2.0 langsam zur Ruhe. “Schon praktisch alle diese Helferlein in App-Form…” denkt er sich “...die Snobs von der Ostküste brauchen nicht mal mehr das, dort gibt es ja neu ‘Alfred’, dieses Portal erledigt praktisch alles für Dich, was nicht business like ist.” Bald nickt er für ein paar Minuten kurz ein.

Die Frau des Geschäftsmannes 2.0 hatte einen schwierigen Tag. Ihre starke Erkältung hatte sie geschwächt, doch es gab so viel zu tun! Zum Glück hatte sie, gleich nachdem Sie Ihrem Ehemann Adieu gesagt hatte, mit Hilfe Ihrer Medicast-App einen Doktor gebucht. Kaum eine halbe Stunde später war der ältere, erfahrene Hausarzt an der Tür. Sie kannten Sich bereits, sie waren fast Nachbarn, denn der Arzt hatte vor drei Jahren seine Praxis in der Nähe von Menlo Park aufgegeben und war in die Gegend gezogen. Jetzt machte er nur noch Hausbesuche. Dank Medicast konnte er so arbeiten, wie er wollte und auf den Praxis Stress verzichten. Die Frau nahm sich vor, all Ihre Pendenzen so rasch wie möglich zu erledigen, die Medikamente wirkten bereits. Doch sie wusste, dass die Besserung nicht von Dauer sein würde, ‘also los!‘ dachte sie sich. Ihre selber bedruckten Batik T-Shirts liefen auf Etsy ziemlich gut und sie organisierte über die Lyft-App die Abholung der fünf grossen Couverts, welche heute auf den Versand warteten. Der Bote kam beinahe gleichzeitig wie sein Kollege von Washio, welcher die grossen Tischdecken gereinigt zurückbrachte. Die Decken zusammen mit dem Hemden Ihres Mannes hatte sie gestern mit Hilfe der Washio-App abholen lassen und innert 24 Stunden war alles sauber retour ins Haus geliefert worden. Am späteren Vormittag hatte sich die Klempnerin angemeldet, das sagte zumindest ihre Task-Rabbit App. Die Mischbatterie war nicht mehr dicht und musste ausgetauscht werden. Ihr Ehemann hatte Ihr die nötige Reparatur im Bad schon seit Wochen versprochen, nun hatte sie die Sache selber zur Hand genommen, “All diese Freelancer aus der Umgebung sind ja genau für so etwas da!” dachte Sie sich. Und teuer war es auch nicht.  Während Sie auf die Klempnerin wartete, erledigte sie Ihre Mails. In der Inbox hatte Sie einige Fragen zur letzten Auftragsarbeit, welche Sie diesmal auf Mechanical Turk aufgegeben hatte. Sie hatte sich nämlich dazu entschlossen, die hunderten von Flohmarktanzeigen, welche Sie in den letzen zwanzig Jahren gesammelt hatte, zu scannen und indexieren zu lassen. Für die Vergabe von kleineren Arbeiten verwendete sie normalerweise Fiverr aber dieser Job war doch recht gross, auf Fiverr fand sich kein passender Anbieter und Fancy-Hands mit Ihren rein amerikanischen Freelance-Anbietern war für qualfiziertere und somit auch teuerere Arbeiten geeignet.

Doch nachdem die Klempnerin gegangen war, war Schluss! Die letzte halbe Stunde Smalltalk mit der jüngeren Handwerkers-Frau war zwar amüsant – die Klempnerin erzählte von Ihren Bekanntschaften mit Tinder-Männern – aber auch anstrengend. Die für den Nachmittag angemeldete Putzfrau war mit der Homejoy-App rasch abgemeldet. Anschliessend legte sich die Frau ‘kurz’ auf das Wohnzimmer Sofa. Sie  schlief sofort ein. Als der Geschäftsmann 2.0 am Abend mit den Blumen nach Hause kam, war sie immer noch fest am Schlafen. Zum Glück gibt es die Dominos’ Pizza App, da war das Not-Abendessen rasch bestellt und man konnte dabei minutengenau verfolgen, wo die Pizzen gerade waren…..

Die Apps oder Webseiten zur Geschichte:

  • Amazon Mechanical Turk Bildschirmarbeit verrichten oder verrichten lassen
  • Alfred Die Fernsteuerung für Ihre Haushaltsarbeiten, Einkaufen, Wäsche, putzen (New York und Boston)
  • BloomThat Schnittblumen on Demand
  • Business Talent Group – BTG (Berater On-Demand)
  • Dominos Pizza Kurier
  • Elance / oDesk (Heute Upwork mit neu 10%iger Gebühr)
  • Eden McCallum Mgmt Consulting / Beratung
  • Fancy Hands Get Things Done (USA basierte Assistenten)
  • Fiverr Alle Jobs für 5 Dollar (Ist in Indien tw ein Mehrtagesverdienst)
  • HANDY Putzfrauenplattform, nun auch in Grossbritannien aktiv
  • Homejoy Cleaning
  • Instarcart Lebensmittel innert einer Stunde zu Hause (So wie seit Jahren LeShop in der Scheiz oder neu auch Shopwings in Deutschland anbietet)
  • InCloudCounsel Mechanical Turk für Rechtsangelegenheiten
  • Lyft Taxidienst
  • Medicast bringt Ihm den Hausarzt zurück.
  • MyClean.com und MyClean.ch
  • Quirky Crowdgesourcee Ideen-Wettbewerbe, ähnlich Atizo
  • Shyp bringt alles überall hin.
  • Sidecar Sharing Rides
  • Spoon Rocket Essen innert einer Viertel Stunde
  • Task Rabbit das Allrounderportal, vom Klempner bis zum Servierboy für die Gartenparty.
  • Topcoder / Appirio (Für alles ein Programmierer)
  • Tongal ist Plattform für die Erstellung von Videos, warum sollte er was anderes nehmen, wenn sie schon für Super-Bowl Clips verwendet wurden
  • Tinder, bei den Jungen sehr beliebte “Blind-Date” App
  • Uber hat der Geschäftsmann 2.0  in seinem Erfahrungsbericht schon beschrieben
  • Washio Textilreinigung on Demand

Tools:

  • ConceptBoard – Dezentrale Kollaboration inklusive virtuelle Workshops
  • Zoom Videoconferencing. Hat beim Geschäftsmann 2.0 Skype und Hangouts abgelöst (älterer Beitrag hier)

Weiterlesen:

Welche Tools habt Ihr den so im Einsatz, welche App ist aus Eurer Sicht nennenswert? Ein kurzer Kommentar würde den Geschäftsmann 2.0 freuen! – So Long, euer Pavel “Palo” Stacho.

 

Die Schweizer Wirtschaftselite, die Millenials und die Digitale Revolution am Beispiel der Sharing Economy

Das Schweizer Wirtschaftsestablishment entdeckt langsam das Ausmass der digitalen Revolution und das Transformationspotential von Social Business, insbesondere der Sharing Economy. Leider geschieht dies nach alter Homo Oeconomicus Manier und dazu mit teilweise falschen Schlüssen. 

Auf den UBER gekommen – Der ehemalige Starbanker Konrad Hummler hat sich mit der Bergsicht einen für die Öffentlichkeit kostenpflichtigen Thinktank zugelegt. Die Oktober 2014 Publikation, welche nicht gratis verfügbar ist (hier) trägt den Titel “Miete mich” und beleuchtet in 7 Kapiteln, auf 8 dicht beschriebenen A4 Seiten die aufziehende digitale Revolution, insbesondere die Sharing Economy mit Ihren Paradepferden AirBnB und UBER. Der Geschäftsmann 2.0 gibt eine Zusammenfassung und eine kritische Würdigung.

Zusammenfassung Bergsicht #9 – Miete mich! (13.10.2014)

Die “Freude am Verzicht” der Millenials: Nach der unersättlichen und hedonistischen Generation X dränge eine neue Bevölkerungsgruppe in die Wirtschaft und löse eine durch das Internet 2.0 induzierte Sharing Economy aus. Das Umwälzungspotential sei dabei eher von der Grösse eines Kontinents als das eines Eisbergs. Die Jungen besitzen das Privileg nicht, zu wissen, wie die Welt ohne Tablet und Clloud aussah. Sie können deswegen auch nicht eine Analogie zu den früheren Entwicklungslinien aufbauen, welche durch das Computing generell und den PC im besonderen ausgelöst worden sind. Die Mainframes konnte sich damals nur die Minderheit der grossen Firmen leisten und hatte somit wenig Impact. Die anschliessende PC-Revolution, welche dann die Geschäftsprozesse von allen Firmen effizienter ablaufen liess veränderte bereits mehr, aber die persönlichen Verhaltensweisen des Individuums waren davon wenig betroffen. Anders Heute: Das Internet, die Mobiltelefonie, sowie die inzwischen universell verfügbare und beinahe kostenlose Rechenpower führen zu einer Gesellschaft und zu einer Wirtschaft, welche nie schläft, immer erreichbar ist und anders tickt. Entscheidungsprozesse sind spontaner und das Geschäftsmodell an sich wurde massiv durch die Elimination von Intermediären entschlackt. Die Elimination der Transaktionskosten, die Internetverfügbarkeit von Knowhow zum Nulltarif und die direkte Verbindung zwischen Produzent und Unterlieferant wie auch zwischen Anbieter und Kunde liess die heute allgemein bekannten Plattformen wie UBER entstehen, egal in welchem Gebiet. Vordergründig haben diese Plattformen einen Anstrich der Uneigennützigkeit bzw der Gemeinnützigkeit. Doch die Plattformen des Web 2.0 greifen dabei frontal bestehende Geschäftsmodelle an, eliminieren Distributionskanäle und schaffen komplett neue Märkte. Das Holprinzip der Wirtschaft 1.0 wird durch das Bringprinzip des Internet 2.0 und des inzwischen mobilen PCs (Smartphone etc), ersetzt. Die Auswirkungen dieser Mechanismen und der neuen Spieler können exemplarisch am Niedergang der Medien oder auch anhand des Sterbens der Bankfilialennetze betrachtet werden. Es wird der Anfang einer neuen, ganz langen, grossen Geschichte geortet, könne doch nun jedes einzelne Individuum auf diesem Globus Leistungen anbieten, welche beizeiten zu einem lächerlichen/keinen Preis vom Benutzer/Verbraucher bezogen werden können. Und das wird nun in Weltwirtschaft spür- und erkennbar.

Die Millenials gehören genau gleich zur Gattung Homo oeconomicus Die Bergsicht fragt nun im Artikel, ob die Sharing Economy bzw. die Generation Y einen Sinneswandel herbeigeführt habe, welcher sich durch ein weniger ökonomisches Denken und Handeln auszeichnet. Die Autor kommt zum Schluss, dass dem nicht so sei und dass auch dieses Phänomen mit den klassischen ökonomischen Verhaltensmodellen erklärt und begründet werden könne. Die dem Homo Oeconomicus zugrundeliegende persönliche Nutzenmaximierung sei auch bei den Millenials vorhanden, einfach die Art des Nutzens, welcher maximiert werde, sei nicht nur ein monetärer.  Es wird gefolgert, dass die Freimaurer an den Kathedralen von Wikipedia und Linux KEINE anderen Menschen seien als der Homo oeconomicus. Die Leute, welche auf UBER Ihre Taxidienste anbieten oder Ihre Wohnungen via AirBnB vermieten, seien sogar Vorzeigeexemplare des Homo oeconomicus, nämlich die ganz besonders geschäftsorientierten! Die neue Share Economy erlaube es heute einfach einer neuen Art von Mikrounternehmern, Ihr z.T. sehr geringes aber handfestes Kapital im Sinne eines Autos oder einer Wohnung effizient zum Einsatz zu bringen. Mikroökonomisch (im Einzefall) gesehen sei das einfach eine Nutzenallokation von Überkapazitäten bei privaten Gütern. In der Summe (makroökonomisch) sei es aber dann happig: AirBnB sei heute (Ende 2014) im Vergleich mit den Hotelketten bereits an fünfter Stelle mit einem geschätzten Wert von 10 Milliarden USD!

Die neue deflationäre Überkraft – Die alteingessenen Marktteilnehmer mobilisieren Ihre Lobby. Alle schreien nach Governance, Regulierung und (staatlicher) Kontrolle der neuen Plattformen. Als Gegenpol wird die “Peer-Review” als sehr potentes und alternatives Mittel der Selbstregulierung genannt, mit dem Verweis, dass hochregulierte Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft eigentlich nur dafür reguliert sind, damit es Neueinsteiger möglichst schwer haben. Hotels und Taxiunternehmen sind solche hoch regulierte Branchen. Trotzdem wird das Ihnen nichts nützen: Taxiunternehmen wird es schneller an den Kragen gehen als anderen transformierten Wirtschaftszweigen vorher. Und da die Übernachtungen bei AirBnB zwischen einem Viertel oder der Hälfte von normalen Übernachtungen kosten, haben diese einen enormen Preisvorteil. Ungeachtet dieser Vorreiter werden weitere Wirtschaftsbereiche von der Sharing Economy erfasst werden. Mit einem entsprechenden realen Angebotsschock. Und mit entsprechenden deflatorischen Konsequenzen. Ein lokales Beispiel ist Sharoo, wo man einen Mini für 60 CHF pro Tag mieten kann. Die Bergwelt geht davon aus, dass auch andere globale Branchen, wie das in der Schweiz stark verankerte Banking betroffen sein, werden, hier wird (plattformbasiertes) Peer-to-Peer Lending als Stichwort genannt. Es wird zwar von einem Wirtschaftswachstum ausgegangen, aber in einem deflationären Umfeld. Vom Gleichen geht der Artikel auch bei der Werbebranche in Bezug auf Google Adwords et al  aus  (Anm: Siehe Post vom Gmann hier) und gibt zu bedenken, dass ebensolche Plattformanbieter in Ihrer Branche eine Monopolstellung einnehmen werden (Anm: Das ist allgemein als Amazonification bekannt), ohne dass die sogenannten “Wettbewerbshüter” hier effizient eingreifen könnten. Der politische Druck auf die Plattformbetreiber – egal ob Share Economy Anbieter oder nicht – wird aber weiterhin zunehmen, siehe z.B die aktuellen Bemühungen der EU-Kommission  bei der Wettbewerbsuntersuchung gegen Google und dessen Monopolstellung in Europa in Sachen Internetwerbung.

Fazit und Ausblick – “Internet 3.0” als gesellschaftspolitischer Prozess Es wird der Schluss gezogen, dass die Share Economy alles Andere als eine temporäre Spielerei sei und in der Wirtschaft disruptive Vorgänge zu erwarten sind. Es werden Geschäftsmodelle unter Druck geraten, welche bis anhin als unangreifbar galten. Der aktuellen Euphorie soll mit Skepsis begegnet werden, denn man weiss aktuell nicht, ob die bis heute NICHT profitablen Rocket’ s und Zalando’s  irgendwelche Konkurrenten bekommen werden oder ob solchen Plattformen nachhaltige Monopolstellungen gelingen und diese dann mit Ihrem “Null-Grenzkosten” Geschäftsmodell nach der Weltherrschaft und nach unglaublichen Gewinnen greifen werden.

Weiter wird empfohlen, die Share Economy wirklich ernst zu nehmen, denn diese sei die Kulmination der Vorgänge der letzten 40 Jahre: Die unbeschränkte Rechen-Kapa, mobile Kommunikation und die Plattformen ermöglichen dem Individuum den Einsatz seines freien Kapitals im Markt. Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Folgen und Erdrutsche werden die Folge sein. (Anm: Das hat der Gmann schon vor Jahren prophezeit, siehe hier und hier). Gleichzeitig werde dabei jedoch fundamentale Kritik laut, welche gesellschaftspolitische Relevanz habe: Der Autor zitiert irgendwelche (deutsche) Philosophen: “Man müsse Wege finden, um den Menschen vor dem zu schützen, was er will”, denn das heutige kapitalistische System unterstütze die sogenannte “Selbstausbeutung” des Einzelnen. Zu guter Letzt kommt die Konklusion, dass das kapitalistische Modell (Anm: Wettbewerb, Angebot, Nachfrage) bei den Sharing Economy Plattformen nicht funktioniert und dadurch werde das zweite Internetzeitalter in ein Internet 3.0 übergehen, welches von “Governance – Fragen “ beherrscht werden wird.

 

Kritische Würdigung des Artikels durch den Geschäftsmann 2.0

Allgemein  Es ist ein sehr durchdachter Artikel, weitgehend gut bis sehr gut geschrieben, trotz der Fremdwörter im Text. Man merkt die Aussenbetrachtung eines Analytikers, welchem die Erfahrung der Anwendung der Share Economy oder gar als Player in der Share Economy fehlt. Trotzdem, der Geschäftsmann würde auch andere Artikel der Bergsicht lesen, leider ist das aber nur kostenpflichtig möglich. Für so etwas zahlt man heute nicht mehr. Der Artikel basiert jedoch auf einer komplett falschen Grunddisposition, nämlich der des Modells des Homo oeconomicus und dessen zu kurz greifenden basiskapitalistischen Mechanismen. Heute gilt der Homo conniunctus, manchmal auch Homo connectus genannt.

Richtig ist, dass der aktuell sichtbar werdende Prozess eine Verschiebung kontinentalen Ausmasses ist und nicht nur “ein Eisberg”. Richtig ist auch, dass der Konsument und der Anbieter, wie auch der Produzent und der (Zu-) Lieferant eine bedeutend direktere Verbindung haben und dass die Transaktionskosten in der Wirtschaft gegen Null tendieren. Korrekt ist ebenfalls, dass die Share Economy alles Andere als eine Spielerei ist. Genau gleich wie die sozialen Medien ist die Sharing Economy gekommen um zu bleiben. Es ist eindeutig ein Megatrend. Es ist ebenfalls richtig, dass die Sinnfrage in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wie auch bei den meisten Jungen die Freizeit vor der Arbeit kommt. Sie haben es ja hautnah erlebt, wie Ihre arbeitssüchtigen Eltern der Baby Boomer- und Abzocker-Generation unsere Welt, die Wirtschaft und die Gesellschaft zugerichtet haben. Übrigens: Der Autor (wohl geboren als Baby Boomer) schimpft die Generation X als unersättlich und hedonistisch, die Attribute und Taten der eigenen Generation werden aber nirgends im Artikel reflektiert.

Falsch ist die Anwendung von klassischen oekonomischen Verhaltensmodellen auf die Millenials.  Diese gelten heute einfach nicht mehr, insbesondere der Aspekts der Nutzenmaximierung des Individuums. Diese sogenannte Nutzenmaximierung des Homo oeconomicus ist ein Verhalten, welches sicher im Menschen bis zu einem gewissen Grad als Grundveranlagung vorhanden ist. Nur bis so etwas zu einem aktiven Verhalten wird, muss das zusätzlich gelernt, geschult, geübt und dann auch entsprechend belohnt werden. Wenn im heutigen Zeitalter solche “Nutzenmaximierungen” und Belohnungen unlautere, unmoralische, ausbeuterische oder gar illegale Grundlagen haben, dann kann dem heute – Dank des Internets – ein Riegel vorgeschoben werden. Denn das Internet ist nicht nur eine riesige Informationsmaschine, sondern es ist auch eine riesige Transparenzmaschine, welche die übermässige Maximierungen, egal welcher Couleur, offenlegt. Der Anreiz zur Nutzenmaximierung wird ergo bei den jüngeren Bevölkerungsschichten und den nachfolgenden Generationen durch das Web gedämpft. Somit haben die klassischen oekonomischen Verhaltensmodelle keine Gültigkeit mehr.

millenial_david_clugstonDie Marktteilnehmer der Share Economy als Vorzeigeexemplare des Homo Oeconomicus zu identifizieren ist zuweit her geholt und ist dahingehend ein gar ein fataler Fehler, weil man die neue Generation in bestehende und dazu noch in hinfällige Denkmuster versorgt. Klar gibt es Taxifahrer, welche nun noch mehr arbeiten, aber nicht alle. Weit nicht alle Hausbesitzer geben Ihre Liegenschaft wegen dem Geld zur Vermietung frei, das zusätzliche Einkommen ist ein willkommener Nebeneffekt, häufig geht es auch um eine Beziehung zu anderen Menschen, welche man dabei aufbaut. Obschon man hier von einer “sozialen Nutzenmaximierung” sprechen könnte, findet der Geschäftsmann das doch ein wenig übertrieben. Und nochmals: Die Behauptung, dass es Unsinn sei, dass die Marktteilnehmer der Share Economy nicht Homo oeconomici seien, kann so nicht akzeptiert werden. Das Handeln Marktteilnehmer der Share Economy, findet transparent im Internet statt, sie werden implizit dadurch gezwungen, bessere Menschen zu sein, sie werden gar dazu konditioniert!

Und drittens: Selbstlosigkeit und Nächstenliebe konnten die obigen Modelle sowieso noch nie erklären, wieso sollten diese dann richtig sein? Solche Sachen zählen schon seit einigen Jahren noch mehr, der Wertewandel ist auch entsprechend belegt.

Das Phänomen Share Economy im isolierten Kontext der Wirtschaft zu betrachten und erklären zu wollen, wie auch die Identifikation der aktuellen Umwälzungen als gesellschaftspolitischen Prozess ist zu eng gefasst. Das was hier abgeht, betrifft “Alles”, jede einzelne Facette unseres menschlichen Daseins auf diesem Planeten. Revolutions doesn’t happen when Society adapts new technologies, Revolution happens when Society adapts new behaviours!

Ein drittes Internetzeitalter, welches von Governance Fragen beherrscht werden wird wird es so nicht geben, bis zu diesem Zeitpunkt wird die EinsNuller Generation der Baby Boomer schon lange aus dem Wertschöpfungsprozess der Wirtschaft verschwunden sein und irgendwann mal werden sich die “Alten” auch aus der Politik verabschieden, siehe das langsame Verblassen von Christoph Blocher. Und: Internet 3.0 – Bitte aufhören, “etwas” heraufzuzählen. Die Revolution ist da und die hat schon lange mit Web 2.0 angefangen.

“Privileg” ohne Handy? – Konrad Hummler meint, die Älteren verfügen über das “Privileg” noch zu wissen, wie das ohne Smartphone und PC war. Naja, so eine Aussage löst bei den jüngeren Leuten eher Mitleid als Bewunderung aus. Der Geschäftsmann hat zu diesem Thema bereits Dutzende von Artikeln geschrieben 🙂

Der im Artikel erwähnte Quatsch vom Freiheitsverlust und der Selbstausbeutung durch Share Economy, Web 2.0 etc kann wirklich nicht ernst genommen werden: Die Jungen können da keinen Freiheitsverlust erkennen. Sie sehen eher Convenience, die Flexibilisierung Ihres Arbeitsortes und Ihrer Arbeitszeit. Von Ausbeutung kann man nur reden, wenn man irgendwelche Opfer identifiziert, die Millenials sehen sich auf jeden Fall eher als Opfer der Abzocker und der Heuschrecken der Gattung Homo Oeconomicus, so wie diese gehäuft in der Generation Ihrer Eltern, der Baby Boomer auftraten.

Fazit: Die Bergsicht, wie auch K. Hummler sind in den Schweizer Chefetagen meinungsbildend. Deswegen ist es umso fataler, wenn dort das sterbende Modell des Homo Oeconomicus nach wie vor zementiert wird und dadurch die Sicht auf die Millenials, deren Werte und Verhaltensweisen getrübt wird. Das wiederum erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass die im”Miete mich!” Artikel vorausgesagten Umwälzungen und Firmenkonkurse auch eintreten…

So Long und sorry für den langen Beitrag, Euer Geschäftsmann 2.0

PS: Apropos Thinktank – Diesen gibt es beim Geschäftsmann 2.0 gratis – Auch das ist Sharing Economy, vielleicht kann sich die Bergsicht davon eine Scheibe abschneiden und dieses abstruse Abonnementsmodell fallen lassen. Der Geschäftsmann empfiehlt: Teilen Sie gratis, freuen Sie sich an sehr vielen Lesern und machen Sie Ihr Geld neu mit AdWords sauteuren Liveauftritten, Büchern und Beratungsmandaten. Oder lesen Sie nicht tagtäglich gratis inside-paradeplatz?

Weitergehende Links zum Thema:

Social Business Referat:

UBER – Erfahrungsbericht: Schneller, günstiger, einfacher, sauberer – Die Sharing Economy oder UBERs Weltherrschaft

Ungeachtet des aktuellen Gossip rund um UBER wird das Netzwerk das globale Taxigeschäft umwälzen. Zu Recht meint der Geschäftsmann 2.0 – Ein Erfahrungsbericht.

20 Minuten Gossip-Artikel zu UBER 2014
Der Gossip im Herbst 2014 wird UBER nicht stoppen können (Artikel 20 Minuten)

Der Geschäftsmann mag keine Taxis, insbesondere die Taxifahrer in der Schweiz. Viel zu teuer, die Grundtaxe in Zürich kostet bald 8 CHF. Zu unfreundlich, die Fahrer und die Autos in der Schlange konnte er sich auch nie ohne harsche Diskussionen aussuchen. Da kommt Ihm der UBER Dienst mit seiner Super App mehr als Recht.

Bis anhin konnte er drei Taxi-Kategorien in Zürich und in Amsterdam auspropieren. UberX sind die normalen Taxis, UberBlack sind Autos vom Typ Audi A6 oder die Mercedes E-Klasse und UberLux sind richtig angenehme Limousinen vom Kaliber der S-Klasse.

Ein kleines Preisbeispiel: UberX kostet vom Hauptbahnhof Zürich ins Hotel Dolder ca 18 CHF und der Weg zurück in der S-Klasse Limo 28 CHF. Das ist rund ein Drittel günstiger als die normalen Zürcher Taxis. Eine ähnliche Ersparnis konnte er auch in Amsterdam verbuchen.

Screenshot UBER App
Leider noch nicht in Bern. Noch zwei Klicks und das Taxi würde schon kommen – Die UBER App

Die App ist einfach der Hammer, die Bedienung ist super einfach: Die Fahrt wird bei der Kreditkarte abgebucht. Man kann wirklich easy das Taxi bestellen, mittels Geo Tagging findet der Fahrer den Fahrgast und häufig ruft er dann bei der in der App hinterlegten Telefonnummer an, wenn er in der Nähe ist und dann kommt man Ihm halt ein paar Schritte entgegen. Man sieht jederzeit, wie lange er noch zum Treffpunkt braucht, einerseits mit einer Minutenangabe und andererseits sieht man auf der Google-Maps Karte in der UBER App, wo sich der Wagen aktuell befindet. Man kann sich den ungefähren Fahrtpreis kalkulieren lassen und auch die ungefähre Ankunftszeit. Super. Und die Autos sind auch super, wie auch die Fahrer, die sind alle sehr freundlich und hilfsbereit.

Jede Fahrt muss man bewerten und wenn man von den 5 verfügbaren Punkten nur deren 3 vergibt, dann fragt die App nach dem Grund. Leider sind die Fahrten vom und zum Flughafen nicht sonderlich billiger, auch bei UBER hat sich hier ein „Premium-Preis“ eingebürgert.

Fazit: Der Geschäftsmann 2.0 wünscht sich UBER unbedingt auch in seiner Heimatstadt, dann würde er wohl noch mehr Taxi fahren! Die lokalen Taxi-Unternehmen stehen vor dem Ende, zu schlecht ist der Service und zu schlecht ist der Ruf, zu hoch sind die Preise. Die aktuellen Skandale rund ums UBER-Management können dem Erfolg der Unternehmung nichts anhaben.

Apropos Skandale – Sharing Economy hin oder her. Primär ist es eine Sharing ECONOMY, und im Web 2.0 herrscht knallharte Wirtschaft und straft das Konzept des LongTail mit Lügen, findet der Geschäftsmann 2.0.